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      <title>Biografie des Grauens: Leon Weintraub by </title>
      <link>https://padlet.com/alexpaulin1/t9ro1m8amy7ibced</link>
      <description>Leon Weintraub - ein Überlebender der NS-Zeit</description>
      <language>en-us</language>
      <pubDate>2022-04-13 05:55:15 UTC</pubDate>
      <lastBuildDate>2022-05-03 08:31:10 UTC</lastBuildDate>
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         <title>Steckbrief</title>
         <author>alexpaulin1</author>
         <link>https://padlet.com/alexpaulin1/t9ro1m8amy7ibced/wish/2141979988</link>
         <description><![CDATA[<div>Steckbrief:<br><br>Leon Weintraub ist 1926 als fünftes Kind einer jüdischen Familie in Lodz zur Welt gekommen. Durch den frühen Tod seines Vaters ein Jahr nach seiner Geburt ist Weintraubs Jugend seit Beginn an von Armut geprägt gewesen.<br><br>Seine Heimatstadt <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/%C5%81%C3%B3d%C5%BA">Lotz</a> liegt in der Mitte des heutigen Polen und fiel im Jahr 1939 kampflos der Wehrmacht in die Hände.<br>Im Jahr 1940 wurde in der Stadt eines der größten Ghettos zur Gefangennahme und Verwaltung von Juden errichtet. Namentlich handelte es sich hierbei um das Ghetto Litzmannstadt in dem zwischen 1939 - bis zur Befreiung 1945 viele Menschen zu Tode gekommen sind. Wichtig ist bei den Opferzahlen, dass diese schwer zu erheben sind, da in Lotz zwar verhältnismäßig wenige Menschen zu Opfern wurden, dies aber verzerrt ist durch die enorme Anzahl an Häftlinge, die außerhalb des Ghettos starben, oder wegen ihrer Arbeitsunfähigkeit ausgemustert und getötet wurden.<br><br>Hier ein <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Ghetto_Litzmannstadt#Einrichtung_des_Ghettos">Auszug</a>, der den inhumanen Umgang der Ghetto-Bevölkerung verdeutlicht aus Goebbels Tagebuch vom 02.11.1939:<br><br><em>„Fahrt durch Lodz mit Besichtigung des Judenviertels Baluty. Wir steigen aus und besichtigen alles eingehend. Es ist unbeschreiblich. Das sind keine Menschen mehr, das sind Tiere. Das ist deshalb auch keine humanitäre, sondern eine chirurgische Aufgabe. Man muss hier Schnitte tun, und zwar ganz radikale. Sonst geht Europa einmal an der jüdischen Krankheit zugrunde. Fahrt über polnische Straßen. Das ist schon Asien. Wir werden viel zu tun haben, um dieses Gebiet zu germanisieren. […] In Lodz herrschen noch tolle Zustände. Die Judenplage wird allmählich unerträglich."</em><br><br><br>Leon Weinberg war gerade einmal 13 Jahre alt, als die Wehrmacht in seine Heimatstadt einfiel und das Leben der Anwohner für immer veränderte. Zusammen mit seiner Mutter und seinen Geschwistern musste er 1939 in das neu gegründete Ghetto.<br>Geplagt von Hunger und Ungewissheit konnte er sich und seine Familie die ersten Jahre durch das Arbeiten in einer Fabrik des deutschen Reichs am Leben halten. <br><br>Im Jahr 1943 verzeichnete die Wehrmacht große Verluste in Stalingrad. Mit zunehmender Ungewissheit über den Ausgang des Krieg beschloss man die "Liquidierung und Deportation" der Gefangenen. Hier wurde der sogenannte Judenrat, welcher zur inneren Verwaltung des Ghettos aus gefangenen Juden zusammengestellt wurde gezwungen ihre jüdischen Mitmenschen nach wöchentlichen Quoten zum Abtransport auszuwählen. Dies bedeutete die unmittelbare Ermordung der Erwählten, da diese in Vernichtungslager deportiert wurden.&nbsp; <br><br>Ein Jahr konnte Weintraubs Familie der Deportation entgehen, bis sie schließlich im August 1944 entdeckt wurden. <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/KZ_Auschwitz-Birkenau">Die Familie wurde in das Konzentrationslager Ausschwitz-Birkenau deportiert</a>. Weintraubs Mutter Nadja Weintraub und seine Tante wurden gleich nach der Ankunft im Konzentrationslager vergaßt. Seine Schwestern hatten Glück, und haben den Holocaust überlebt.<br><br>Herrn Weintraub bleibt von seinem Leben vor der Deportation nach Ausschwitz lediglich ein einziges Bild seiner Familie. Im Alter von 17 Jahren&nbsp; trennten sich in Ausschwitz die Wege mit seiner Familie.<br><br>Leon Weintraub gelang es sich einem Arbeiter-Transport anzuschließen. Nur so konnte er dem Tod in Auschwitz entkommen, und konnte im Konzentrationslager Groß-Rosen als Arbeiter überleben. Im Februar 1945 wurde Weintraub nach Flossenbürg verlegt. <br><br>Im nachfolgenden werden <strong>fiktive Tagebucheinträge</strong> aus den Erlebnissen von Leon Weintraub ab seiner Verlegung in das Konzentrationslager Flossenbürg aufgeführt, um seine Geschichte und sein Leiden bis zu seiner Flucht zu verdeutlichen. <br>Die Inhalte der Tagebucheinträge/Briefe beruhen auf Aussagen von Herrn Weinberg. <br><br>Die Tagebucheinträge behandeln Erzählungen von Herrn Weintraub aus den <a href="https://memorial-archives.international/de/media_collections/show/537f03a8759c02115550f534">Aufnahmen des Memorial Archieve </a> sowie<br>Der Zeitzeugen Dokumentation <a href="https://www.br.de/mediathek/video/zeuge-der-zeit-dr-leon-weintraub-wege-zurueck-ins-leben-av:5feed5a6fe52ad0014a23054">Dr. Leon Weintraub - Wege zurück ins Leben</a>.<br><br>(Tatsächlich führte Weintraub Briefpapier und Marken in seinem Rucksack bei der Deportation nach Ausschwitz mit sich, jedoch wurde ihm dieser bei der Ankunft abgenommen, und ihm wurde klar, dass es sich um einen "Ort des Tötens" handelt:<br>https://www.youtube.com/watch?v=ujBhv_oNB_0&amp;ab_channel=DWDeutsch (5:30))<br><br>&nbsp;</div>]]></description>
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         <pubDate>2022-04-13 06:00:51 UTC</pubDate>
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         <title>Der Todesmarsch von Groß-Rosen nach Flossenbürg</title>
         <author>alexpaulin1</author>
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         <description><![CDATA[<div>Es ist Mitte Februar. Den genauen Tag wissen wir nicht. Heute morgen wurden wir von Wachmännern aus dem Schlaf gerissen. Sie befahlen uns nach draußen zu gehen, wo bereits Massen an Häftlingen in einer Kolonne zusammengedrängt warteten. Zeit zum Packen brauchten sie uns nicht zu geben, da wir bereits alles verloren hatten. Wir baten die Wärter uns genaueres zu sagen. Ohne Erfolg. Die Behandeln uns wie Frachtgut, welches man mal eben von A nach B, von links nach rechts schafft. Konversation mit uns, dem Frachtgut ist daher weder nötig noch erwünscht in ihren Augen. Ich habe aufgehört an das Gute, an die Menschen hinter den Uniformen zu glauben. Schon zu lange ertragen wir dieses Martyrium zwischen Leben und Tod. Manch einer fragt sich, ob wir nicht längst gestorben sind und uns hier auf einem fleischlichen Zwischenweg in die Guß-Öfen der Hölle befinden. Für viele meiner Genossen sollte der heutige Tag der letzte sein. Dieser Todesmarsch, wie wir ihn zuvor fast scherzhaft und doch voller Angst und Bedauern benannt haben wird in meiner Geschichte von den eingestampften Gliederschmerzen und dem durch den langen Weg noch erdrückenderen Gefühl der bodenlosen Leere in meinem ausgehungerten Bauch gezeichnet.<br>In meinem Kopf hat sich das Bild einer großen weißen Schlange eingeprägt. Weiß vom Schnee bedeckt die tausenden Häftlinge verschneit als Punkte in einem endlos wirkendem Marsch zu einer Einheit des Leids zusammenschmilzt. Immer wieder zuckten wir von den einzelnen Schüssen vor und hinter uns in der Schlange. Man traute sich kaum sich umzudrehen. Immer weiter. Nicht stehen bleiben. Menschen wurden erschossen, weil sie nicht mehr gehen konnten. Was nicht funktioniert wurde ausgemistet. Ich musste funktionieren, deshalb bin ich gelaufen, bis es sich anfühlte, als wären meine Beine zwei stumpfe Stelzen, die sich wie von Zauberhand bewegten.&nbsp;<br>Die Toten lassen sie wie Pferdemist an den Wegrändern zur Verwesung zurück. In manch einem Moment ist auch mir schon der Gedanke zur schnellen Erlösung in den Kopf gekommen. So scheint es, als würden wir lediglich Zeit schinden obwohl unser Ende seit 1939 fest in den Händen der Nazis liegt. Ob es nun heute oder erst in ein paar Wochen geschieht spielt zunehmend weniger eine Rolle.<br>Nun haben sie uns in einen Schuppen gepfercht wie Vieh auf dem Bauernhof. Meine Beine spüre ich noch immer nicht. Nur Gott weiß, was der nächste Morgen für uns bringt.&nbsp;<br><br></div>]]></description>
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         <pubDate>2022-04-13 10:31:32 UTC</pubDate>
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         <title></title>
         <author>alexpaulin1</author>
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         <description><![CDATA[<div>Zwei weitere Tage waren Weintraub und die anderen Häftlinge von früh morgens bis spät in die Nacht zu Fuß unterwegs.&nbsp;<br><br>Schäferhunde wurden zur Verfolgung von einzelnen Flüchtigen mitgeführt.&nbsp;<br><br>Am dritten Tag gelangten die Häftlinge am Bahnhof in Görlitz (heute Zgorzelec) an.&nbsp;<br><br>Hier wurden die Häftlinge in Züge verladen und nach Flossenbürg gebracht.</div>]]></description>
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         <pubDate>2022-04-13 11:05:02 UTC</pubDate>
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         <title>Zugfahrt nach Flossenbürg</title>
         <author>alexpaulin1</author>
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         <description><![CDATA[<div>Ich schreibe diesen Brief eingedrängt, Schulter an Schulter gedrückt nach einer langen und mühsamen Fahrt mit dem Zug. Wie lange ich unterwegs bin kann ich nicht sagen. Mein von Hungersnot geleerter Magen lässt mich halluzinieren und in Erinnerungen aus meiner frühen Kindheit in Lotz schwallen. Das immer gleiche Klackern der Schienen im 1,25 sekündlichen Takt hat sich so tief in mein Bewusstsein gebrannt, dass es in meinen Halluzinationen wie das Orchester einer Oper geworden ist. Gegessen habe ich seit Tagen nichts. noch vor Beginn der Zugfahrt konnte ich eine Hand voll Schnee in meinen Mund stecken, sonst wäre ich wahrscheinlich bereits verdurstet. Im Zug riecht es nach Tod und Exkrementen. Daran haben sich aber die meisten schon im Konzentrationslager gewöhnen können. Trotz der Enge, die es einem unmöglich macht zu sitzen fühlt es sich, als wäre hier jeder für sich selbst. Viele versuchen innerlich ihren Frieden zu finden. Andere wollten nicht wahrhaben in was für einer Situation sie sich befinden, und blenden alles um sich herum aus. Und doch lassen sich in dieser Hölle Momente der Zwischenmenschlichkeit finden. Ein Mann nahm mich in dem Arm in dem Versuch mich zu trösten. Ein Russe namens Nicolai erzählte mir von seiner fernen Heimat. Wo soll diese Reise noch hinführen? Vielleicht kann ich nach der Ankunft meinem Körper einen letzten Tritt zum Arbeiten geben, bis er vor Erschöpfung endgültig zerbricht. Ich weiß es nicht. Ich weiß nichts mehr. Alles was ich weiß ist, dass ich niemals aufgeben werde. Für meine Geschwister werde ich weiter kämpfen!</div>]]></description>
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         <pubDate>2022-04-13 11:15:21 UTC</pubDate>
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         <title></title>
         <author>alexpaulin1</author>
         <link>https://padlet.com/alexpaulin1/t9ro1m8amy7ibced/wish/2142260343</link>
         <description><![CDATA[<div>Leon Weintraub kann sich nach eigener Aussage nicht an die Ankunft, die Duschen und die Einweisung in Flossenbürg erinnern.&nbsp;<br>Immer wieder wird klar, wie Herr Weintraub gewisse Erinnerungen der damaligen Zeit verdrängt hat, um in der Situation überleben zu können.<br><br>Einige Häftlinge waren damals so tief in eigene Phantasiewelten geraten, dass es auch nach dem Krieg nicht möglich war sie geistig wieder in die Gegenwart zurückzuführen.<br><br>Herr Weintraub hat sich jedoch über die Jahre an seine Baracke und einige prägnante Erlebnisse seines Aufenthalts in Flossenbürg erinnern können.&nbsp;<br><br>Sein Aufenthalt in Flossenbürg war nach seinen Angaben zwischen dem 25.02.1945 - 22.03.1945.&nbsp;<br><br><br><br><br></div>]]></description>
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         <pubDate>2022-04-13 11:34:56 UTC</pubDate>
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         <title>Die Zeit in Flossenbürg</title>
         <author>alexpaulin1</author>
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         <description><![CDATA[<div>Meine Seele brennt, doch in mir drinnen ist tiefster Winter. Heute Nacht bin ich durch den kalten Kuss des Beines einer der vier Häftlinge mit denen ich mir meinen Schlafplatz teile erwacht. Er ist tot. Zu dritt nahmen wir ihn und setzten seinen starren Körper auf den Leichenhaufen vor der Baracke. Er war nicht der erste, den wir in der kurzen Zeit die ich jetzt hier bin nach draußen brachten und er wird auch nicht der letzte sein. Darüber geredet haben wir nicht. Der Tod begleitet hier unseren Alltag.<br>Auch mit Arbeit kann man sich hier nicht schützen. Man sagt uns wir wären in einer Quarantäne. Deshalb könnten wir nicht arbeiten. Krank und halb verwesen waren wir schon zuvor. Was soll sich hier nun geändert haben? Ich versuche dieses Leid festzuhalten. Immer wieder fühlt es sich, als wäre mein Leben zu einer Eintagsfliege geworden, da sich meine Gedanken und Erinnerungen täglich aus meinem Kopf lösen als wären sie Sand, der zwischen meinen Fingern entweicht. Manchmal weiß ich nicht ob ich wach bin oder schlafe. Das Fieber lässt einen Tag und Nacht wie das eine und das Andere wahrnehmen. Manchmal fühlt es sich tagsüber, als würde ich aus einem Traum aufwachen. Und dann stehe ich am hellen Tag plötzlich wieder auf dem Platz und höre die verkauerten Stimmen meiner Kameraden um mich herum. Oft schließe ich die Augen. Zwar kann ich die visuellen Geschehnisse um mich herum ausblenden, doch prägt sich wieder ein beißender Geruch von Fäule und Tot in meinem Bewusstsein ein. Es ist nicht wie damals der Geruch des Feldes im Frühen Sommer, den man nach einer Woche nicht mehr riecht. Es ist ein Geruch der tief in einem Instinkte weckt. Ein Geruch der dir ständige Bedrohung signalisiert und dich teilweise für ein paar Sekunden die Luft anhalten lässt, nur um für einen kurzen Augenblick von dem Gestank befreit in einer kleinen Blase der Normalität zu sein.<br><br>Tagsüber werden wir zu hunderten draußen auf den Platz gedrängt. Der gefrorene Boden und der scharfe winterliche Wind zwingen uns in Massen zusammen. Ein SS-Mann sagte heute wir sehen aus wie Pinguine aus der Antarktis. Das wären wir nun. Ich finde das witzlos und einfach nur dumm! Im Gegensatz zu Pinguinen sind wir weder frei, noch sind unsere Stofffetzen die uns als einziger Schutz gegen das raue Wetter schützen mit einem warmen und prachtvollen Gefieder bedeckt.&nbsp; Zusammen am Boden lässt es sich ertragen. Pech haben nur die, die in der Mitte oder ganz außen sitzen. Außen in es so kalt, dass die Häftlinge nach innen drücken, sodass es innen zu eng zum atmen wird.<br>In mir prägt sich das Bild von einem entfernten Hügel mit Sonnenschein. Ich würde töten um wieder nach hause zu können, wo Kartoffel, wo Wild und Liebe wächst.</div>]]></description>
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         <pubDate>2022-04-13 11:35:51 UTC</pubDate>
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         <title></title>
         <author>alexpaulin1</author>
         <link>https://padlet.com/alexpaulin1/t9ro1m8amy7ibced/wish/2142350913</link>
         <description><![CDATA[<div>Am 22.März 1945 wurde Leon Weintraub in das Konzentrationslager Offenburg verlegt.<br>Im Nachhinein bezeichnet Weintraub hier die letzten Atemzüge des dritten Reich, da bei der Verlegung nach Offenburg die Ordnung und Präzision im Vergleich zu den vorherigen Verlegungen&nbsp; nachgelassen hatte. Weintraub erinnert sich daran in einem Personenwagen nach Offenburg verlegt worden zu sein. Er ist sich diesbezüglich aber nicht sicher.<br><br><a href="https://chroniknet.de/extra/was-war-am/?ereignisdatum=22.3.1945">Zeitgleich stößt am 22.03.1995 die 3. US-Armee über den Rhein in Richtung Frankfurt fort.</a> Der Krieg neigt sich langsam seinem finalen Ende zu, wovon aber Weintraub und andere Häftlinge durch ihre Isolation nur wenig mitbekommen.&nbsp;</div>]]></description>
         <enclosure url="https://www.badische-zeitung.de/in-offenburg-wurden-einst-kz-haeftlinge-bestialisch-ermordet--95423812.html" />
         <pubDate>2022-04-13 13:00:00 UTC</pubDate>
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         <title>Aufenthalt in Offenburg</title>
         <author>alexpaulin1</author>
         <link>https://padlet.com/alexpaulin1/t9ro1m8amy7ibced/wish/2142377284</link>
         <description><![CDATA[<div>Vor ein paar Tagen holten sie mich aus dem Schulgebäude in dem sie uns hier unterbringen. Wie immer waren die Wärter schroff, und zeigten keinerlei Menschlichkeit mir gegenüber. Sie gaben mir 2 Körbe gefüllt von Uniformen und anderer Wäsche. Kaum konnte ich die Körbe halten. Voll Fieber zitterten meine Gelenke, bis ich schließlich in den von warmen, und dicklichen Rauch gefüllten Waschraum gekommen bin. Für einen Moment verlor ich in der Wärme meinen Fokus. Es war wie damals als kleines Kind in der Dusche mit meiner Mutter. Mir wurde warm und meine Ohren fühlten sich flauschig und weniger gefroren, als in den vergangenen Tagen an. Irgendwie hatte ich für einen kurzen Augenblick die Wäsche außer Acht gelassen. Ich bin mir sicher, dass es keine 2 Minuten waren, da zerrten sie mich auch schon nach draußen. Ich wusste nicht genau was auf mich zukommen würde. Vor Schreck verfiel ich in die Haltung eines neugeborenen, zitterte wie verrückt und urinierte mir zusammengekauert in die Hose, während sie mir die Kleider vom Leib rissen, und mich mit festen Griffen mit offenem Rücken an einen Bock fixierten. Man verurteilte mich zu 25 Schlägen mit der Peitsche. Einem mit nassem Sand und Dreck gefüllten Gummischlauch mit dem sie den Häftlingen die letzten Funkten ihrer armseligen Leben aus dem Körper dreschen.<br>Der erste Schlag fühlte sich an, als würde mein Körper in zwei Teile zerspringen. Es dauerte einige Sekunden bis ich den Schmerz in seiner Fülle bis in meine Zehenspitzen wahrnehmen konnte. Die letzten Monate haben sich sämtliche Sinne in mir abgestumpft und zur Verelendung gebracht. Doch in diesem Moment fühlte ich mich auf eine grausame Art lebendig. Der Schmerz glitt so stark durch meine Sehnen, dass es sich wie ein Feuer aus der Mitte meines Körpers anfühlte. Der Wächter schwung so kräftig mit der Peitsche zu, dass es sich im ersten Moment anfühlte, als würden meine Lungenflügel wie zwei Kirschen zerplatzen. Ich schrie wie am Spieß in Tönen, die ich zuvor noch nie von mir gegeben hatte. Sie zwangen mich die Schläge abzuzählen. Der Schmerz des ersten Schlags war nur von den zertrümmernden Hieben des zweiten und dritten Schlags zu übertreffen. Ich wollte einfach nur noch sterben. Dann der vierte und fünfte Schlag. Mein Körper war warm geworden von den Hieben. Mein Rücken taub. Anstelle von weiteren Hieben spürte ich nur noch das Beben meines Körpers nach dem Aufprall der Peitsche. Das Aufzucken meiner Glieder. Dann, nach dem achten Schlag verlor ich das Bewusstsein. Ich weiß nicht was sie danach mit mir gemacht haben. Das Ganze ist jetzt zwei, vielleicht 3 Tage her. Jetzt bin ich auch darüber froh, dass sie uns auch hier nicht weiter arbeiten lassen. Das wäre in diesem Zustand mein Ende. Mein ganzer Rücken ist verkrustet, und ich bin weiterhin durch die Schmerzen gezwungen auf dem Bauch zu liegen. Ich bete zu Gott mit offenen Händen auf baldige Erlösung aus diesem Grauen.</div>]]></description>
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         <pubDate>2022-04-13 13:18:47 UTC</pubDate>
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         <title></title>
         <author>alexpaulin1</author>
         <link>https://padlet.com/alexpaulin1/t9ro1m8amy7ibced/wish/2142458492</link>
         <description><![CDATA[<div>Am Montag den 23.April 1945 wurde Leon Weintraub ein weiteres mal verlegt. Er und die anderen Häftlinge sollten in einem Personenwagen mit einem Zug weiter in das Landesinnere gebracht werden, da die Front immer näher rückte.&nbsp;<br>Kurz nach Donaueschingen ist der Zug in Beschuss geraten und im Schwarzwald zum Stehen gekommen. Die Soldaten und Wärter drängten daraufhin die Häftlinge in den Wald. Dort konnte Weintraub die Flucht ergreifen.</div>]]></description>
         <enclosure url="https://www.spiegel.de/geschichte/flucht-aus-den-nazi-deportationszuegen-studie-von-tanja-von-fransecky-a-959126.html" />
         <pubDate>2022-04-13 14:11:57 UTC</pubDate>
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         <title>Freiheit!</title>
         <author>alexpaulin1</author>
         <link>https://padlet.com/alexpaulin1/t9ro1m8amy7ibced/wish/2142506414</link>
         <description><![CDATA[<div>Ich schreibe aus einer kleinen Ortschaft. Man hat mir zu trinken gegeben. Essen kann ich nur wenig, obwohl ich mich nicht an meine letzte Mahlzeit erinnern kann. In den Wäldern auf der Flucht versuchten andere Häftlinge aus Verzweiflung ein Stück Rinde von einem Baum zu essen. Mir war nicht danach. Nach dem Angriff auf den Zug wurden wir wie Vieh in den Wald getrieben. Ich als jüngster Häftling und fünf andere in jungem alter blieben gequält von Erschöpfung hinter der Hauptgruppe. Auch die Wärter waren nach einiger Zeit verschwunden. wir fanden ausgezogene Uniformen und Kleidung der Wärter in den Büschen. Einige SS-Männer hatten wohl versucht sich unter den Gefangenen zu verstecken. Den einen oder anderen Fetzen schwungen wir uns über, oder Stopften es in unsere Hemden um nicht zu erfrieren. Wir sprachen nicht, aber blieben versteckt in Büschen zusammen. Alleine hatten wir keine Chance so ausgedürrt wie wir waren in der Wildnis zu überleben. Dann hörten wir wieder Schüsse, bis es ganz ruhig wurde. Das erste Mal seit Monaten des dahinlebens zwischen Tod und Verwesung konnte ich wieder etwas wahrnehmen. Der Geruch von Moss, frischem Tau und dem Unterholz. Die waldige Luft, Das Knacken der Äste und Singen der Vögel. In diesem Moment der Stille ist etwas in mir aufgeblüht, dass ich für tot geglaubt hatte. Mein Wille nach Leben. Etwas öffnete sich in meiner Wahrnehmung und ich war plötzlich wieder in der Lage meine Umgebung ohne Filter zu betrachten. Noch in der Nacht sind wir durch die Wälder geflohen. Unser einziges Mittel der Orientierung war, dass wir entgegen eines deutschen Zuges gelaufen sind, den wir anfangs in der Ferne sehen konnten. Egal wohin, einfach weg von dem eigenen Ende und dem Grauen der SS. Wir schlotterten beim durchqueren von kleinen Flusspassagen. Aufhalten konnte uns aber nichts. Der Duft von Freiheit lag in der Luft. Am frühen Morgen sind uns drei Männer auf einem Fahrrad in Uniform begegnet. Durch Gottes Gnade haben sie uns verweilen lassen und so sind wir weitergezogen. Nur wenige hundert Meter weiter blieb ein Lastwagen vor uns stehen. Reflexiv sprangen wir in die Büsche, wurden aber durch Schüsse davon abgehalten uns zu verstecken. Wir bangten mit erhobenen Händen um unsere frisch zurückgewonnen Leben und taten alles in unserer Kraft mögliche, zu signalisieren, dass wir keine Gefahr sind. <br>Vor uns stand ein Soldat in einer kaki-braunen Uniform, wie wir sie noch nie zuvor gesehen hatten. Er signalisierte uns in die Richtung seines Daumens zu gehen. Dort wären seine Verbündeten. <br><br><strong>Es ist soweit. Ich bin nicht länger ein Gefangener!<br><br></strong>Wenig später sind wir in eine kleine Ortschaft gekommen, und von dort weiter nach Donaueschingen. Die Straßen hier in Donaueschingen sehen kahl und leblos aus. Keinerlei Bürger uns deutsche konnte ich hier bisher entdecken. Seit einigen Stunden sind wir in einem Gasthaus untergekommen. Ich habe für mich und die anderen etwas Mehl mit Wasser erwärmt und liege jetzt zu schlafe. Neben mir ist ein weiches Bett, wie ich es noch aus meiner frühen Kindheit vor dem Ghetto kannte. Und doch liege ich auf dem Boden und schreibe diesen Brief, weil mir das Bett zu weich zum Schlafen ist. In mir ist etwas kaputt. Was jetzt zählt ist der Weg zurück in das Leben.<strong><br><br></strong><br><br></div>]]></description>
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         <pubDate>2022-04-13 14:42:21 UTC</pubDate>
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         <title>Nach der Befreiung</title>
         <author>alexpaulin1</author>
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         <description><![CDATA[<div>Nach Weintraubs Aufenthalt in dem Gasthaus ist er zu einem französischen Armee-Arzt gekommen der Typhus bei ihm diagnostiziert hat. Zu diesem Zeitpunkt wog der damals junge Erwachsene gerade einmal 35 Kilo. Daraufhin verbrachte er einige Wochen in einem Krankenhaus. Anfang Juni 1945 wurde genesen aus dem Krankenhaus entlassen. Mit einem Zug gelang Weintraub die endgültige Flucht nach Konstanz:<br><br>&nbsp;<strong>"Dann fing eben das neue Leben an. Das.. nicht das neue.. DAS LEBEN" </strong>- Leon Weintraub<br><br>Weintraub begann im Folgejahr 1946 sein Medizinstudium in Göttingen. Dort heiratete er eine deutsche Frau, und bekam 1948 einen Sohn.<br><br>Am Höhepunkt seiner Karriere als Arzt war er Chef-Arzt in der Frauenklinik in Otwock.<br><br>Durch die Wiederkehr und Zunahme des Antisemitismus in Polen verlor er seine Position als Chefarzt, und zog mit seiner Frau nach Schweden. <br><br>1970 start seine Frau <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Katja_Weintraub">Katja Weintraub</a> in Schweden.<strong><br></strong><br>Bis heute setzt sich der NS-Überlebende als Zeitzeuge für die Bewahrung des damaligen Schreckens in den Konzentrationslagern ein.&nbsp;<br><br>Herr Weinberg zeigt ein außerordentlich höfliches und zurückhaltendes Verhalten in sämtlichen Aufnahmen auf. Er scheint ein wirklich guter Mensch zu sein, von dem wir viel über die Vergangenheit unserer Heimat lernen können.</div>]]></description>
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         <pubDate>2022-04-13 15:43:09 UTC</pubDate>
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