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      <title>Das Anekdoten-Archiv by Anekdoten-Archiv</title>
      <link>https://padlet.com/anekdoten/archiv</link>
      <description>Lilian Peter und Alexander Graeff haben sich verabredet, ein Gespräch über Produktionsverhältnisse, Diskriminierungen, Willkürlichkeiten, Zumutungen und Machtverhältnisse im Literaturbetrieb zu führen. Am Ende folgt ein Aufruf: »Wir laden alle Menschen, die mit uns zusammen im Literaturbetrieb arbeiten, ein, ihre Anekdoten zu teilen. Schreibt euch und uns Texte über die sozialen und literarischen Verhältnisse eurer Gegenwart, schreibt über Diskriminierungen, Mikroaggressionen, über Willkürlichkeiten, Zumutungen und schiefe Machtverhältnisse. Schreibt traurige Anekdoten, amüsante Anekdoten, nachdenkliche Anekdoten, mitreißende Anekdoten, sinnliche Anekdoten, analytische Anekdoten. Tut euch was Gutes! Schreibt nicht über eure persönlichen Grenzen hinweg, tastet euch voran! Schreibt Anekdoten, die euch empowern!«

Disclaimer 

Grundidee des Anekdoten-Archivs ist die eines radikal offenen Raumes und einer radikal offenen Nachbarschaft. Jede*r kann hier seine Erfahrungen und Erlebnisse im und mit dem Literaturbetrieb hinterlassen – ohne Barrieren, ohne Richtlinien, ohne Formvorgaben. Eine Anekdote lebt von der genuin subjektiven Perspektive. Für die Inhalte der Anekdoten tragen allein die Autor*innen die Verantwortung. Sie geben nicht zwingend die Haltungen oder Ansichten der Initiator*innen wieder. Das Padlet wird nicht moderiert, kuratiert oder redaktionell betreut. Allein Trolling, Spam, Hetze und Mobbing werden gelöscht.</description>
      <language>en-us</language>
      <pubDate>2023-05-16 09:28:21 UTC</pubDate>
      <lastBuildDate>2023-12-18 07:33:22 UTC</lastBuildDate>
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         <title>Ideen aus anderen Räumen benennen</title>
         <author></author>
         <link>https://padlet.com/anekdoten/archiv/wish/2710595001</link>
         <description><![CDATA[<div>Eine Kollegin mit großer Reichweite und ich unterhalten uns über unsere kommenden Romane. Auf ihrer Buchpremiere höre ich dann, dass Gedanken aus meinem Roman zu den ihren geworden sind. Einfach so. Dass sie sie wortwörtlich übernommen hat, wurde zu "ist mir beim Schreiben aufgefallen". Das hat mich enttäuscht. Wenn ich mir etwas wünschen dürfte, dann mehr Kollegialität und Solidarität, damit Denkräume wachsen und größer werden können.<br><br>Michaela Maria Müller</div>]]></description>
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         <pubDate>2023-09-19 10:45:20 UTC</pubDate>
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         <title>In einer Schublade bleiben</title>
         <author></author>
         <link>https://padlet.com/anekdoten/archiv/wish/2710602711</link>
         <description><![CDATA[<div>Ein Verlag lehnt meinen Roman mit der Begründung ab, ich würde in der Öffentlichkeit eher als Journalistin, weniger als Schriftstellerin wahrgenommen. Das finde ich eine eigenartige Begründung. Sie schwirrt mir manchmal noch im Kopf rum, ungefähr so: Ich bin also in einer Schublade und man will mich nicht in eine andere einsortieren?&nbsp;<br><br>Michaela Maria Müller</div>]]></description>
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         <pubDate>2023-09-19 10:51:59 UTC</pubDate>
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         <title>„Weibliche Hauptfigur, das lesen Männer nicht so gerne“</title>
         <author></author>
         <link>https://padlet.com/anekdoten/archiv/wish/2712431036</link>
         <description><![CDATA[<div>Ich habe lange nach Spielregeln gespielt, die mir zuwider sind. Habe eine Autorin beschwichtigt, deren Roman nur sehr zögerlich rezensiert wird. Der Roman handelt von einer Frau, die bestehende Macht- und Herrschaftsverhältnisse mit Intriganz und Machtbewusstsein zu ändern versucht, dabei aber weder gut aussieht noch heroisch leidet. „Weibliche Hauptfigur, das lesen Männer nicht so gerne“, erklärt man der Autorin. Wenn man ihnen die Tür zur Öffentlichkeit nicht aufmacht, bleiben Romanfiguren in ihren Romanen eingesperrt. Zum Schweigen verdammt. Blame me, weil ich abwiegle. Statt die Rezensent*innen aufzufordern, das nächste Mal, wenn Clemens Meyer, Sven Regener, Edo Popovic oder Karl Ove Knausgård über pubertierende Jungs, Herrn Lehmann oder sich selbst schreiben, abzuwinken. Mit der Ansage: „Männliche Hauptfigur, das lesen Frauen nicht so gerne“. Blame me. Weil ich Teil eines Getriebes bin, das absurde Maßstäbe, Klischees und Bullshit reproduziert, wie die absurde Vermutung, das Interesse an Literatur sei abhängig davon, ob derjenige, der sie geschrieben hat, einen Penis oder eine Vagina hat.<br><br>Christine Koschmieder</div>]]></description>
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         <pubDate>2023-09-20 08:45:05 UTC</pubDate>
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         <title>Zeit</title>
         <author></author>
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         <description><![CDATA[<div>Als Alleinerziehender fehlt es mir an Zeit. Vor allem der Zeit, anzureisen. Online-Residenzen, Online-Lesungen, usw. - ja! Das Internet als der Ort, wo all das stattfinden würde, wofür sonst die physische Anwesenheit vorausgesetzt wird. Leicht, körperlos, zwischen Veranstaltungen im Internet schwebend. Wichtig dabei wäre das Aufladekabel, der nächste Garant für einen reibungslosen Ablauf. Zumindest sind meine Tagträume im schnellen, völlig verplantem Alltag von nie versiegenden Stromquellen erfüllt.&nbsp;<br> &nbsp;<br>Magdalena Jagelke</div>]]></description>
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         <pubDate>2023-09-21 16:39:21 UTC</pubDate>
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         <title>Nach einer Lesung </title>
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         <description><![CDATA[<div>Nach einer Lesung tritt ein Mann an mich heran und stellt sich als Fotograf vor. Er klappt sogleich eine Mappe auf und zeigt mir Fotos von weiblichen Geschlechtsteilen, dürftig von Blumenblättern bedeckt. So würde er auch gern mich fotografieren…</div><div><br></div><div>Tanja Dückers</div>]]></description>
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         <pubDate>2023-09-22 10:46:04 UTC</pubDate>
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         <title>„Das ist doch Werbung für dich“</title>
         <author></author>
         <link>https://padlet.com/anekdoten/archiv/wish/2716167214</link>
         <description><![CDATA[<div>Gerade als junge Autorin habe ich mich oft ausgenutzt gefühlt. Für gut besuchte Lesungen, die Eintritt kosteten (ich habe stets viele Gäste mitgebracht), habe ich kein Honorar erhalten und musste auch noch meine Getränke selbst bezahlen. Das waren bekannte Cafés und Clubs. Immer hieß es „Das ist doch Werbung für dich“.<br><br>Tanja Dückers</div>]]></description>
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         <pubDate>2023-09-22 10:47:02 UTC</pubDate>
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         <title>„Kleinvieh macht auch Mist“</title>
         <author></author>
         <link>https://padlet.com/anekdoten/archiv/wish/2716168060</link>
         <description><![CDATA[<div>Ich erhielt einen mit 5.000 Euro dotierten, recht bekannten Förderpreis und freute mich sehr. Doch von meinem damaligen Verlag musste ich mir herablassend anhören: „Naja, Kleinvieh macht auch Mist“. Tja, wie doof von mir, dass ich nicht den Hauptpreis erhalten hatte.<br><br>Tanja Dückers</div>]]></description>
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         <pubDate>2023-09-22 10:47:48 UTC</pubDate>
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         <title>„Ihre männlichen Kollegen haben halt besser verhandelt als Sie“</title>
         <author></author>
         <link>https://padlet.com/anekdoten/archiv/wish/2716168971</link>
         <description><![CDATA[<div>Ich war Referentin auf einem Podium in der Akademie der Künste. Nach der Veranstaltung an der Bar stellte sich heraus, dass alle meine männlichen Mitstreiter ein höheres Honorar als ich bekommen sollten. Als ich den damaligen Programmleiter Literatur am nächsten Tag am Telefon darauf ansprach, sagte er mir wörtlich: „Ihre männlichen Kollegen haben halt besser verhandelt als Sie“. Und: „Nachverhandeln gibt es aber nicht“.&nbsp;<br>Jahre später habe ich dies bei einem Runden Tisch in der Akademie (es ging um die Situation von Frauen im Literaturbetrieb) nochmal thematisiert. Eine Kollegin (Leiterin der Sektion Literatur) sprach ihn daraufhin später an, und er stritt alles ab und behauptete, ich hätte mir das „falsch gemerkt“. Ich sagte, ich hätte dazu schriftliche Aufzeichnungen. Er: „Dann haben Sie sich das auf dem Heimweg eben falsch gemerkt“. Es war ein einfach unglaublicher Vorgang, der mich bis heute sehr deprimiert. Auch, dass die bei dem Runden Tisch anwesenden Frauen, die Kolleginnen weitgehend schwiegen und es sich wohl lieber nicht mit der wichtigen Akademie der Künste verderben wollten.<br><br>Tanja Dückers</div>]]></description>
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         <pubDate>2023-09-22 10:48:47 UTC</pubDate>
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         <title>warst du ein trauriges kind?</title>
         <author></author>
         <link>https://padlet.com/anekdoten/archiv/wish/2716338394</link>
         <description><![CDATA[<div>jemand liest meinen text &amp; fragt mich daraufhin, ob ich ein trauriges kind war, weil die kinder in meinen texten immer so unglücklich sind. nicht alles ist immer autofiktional, erst recht nicht autobiografisch. und ich muss nicht die ganze zeit lächeln.<br><br>valerie zichy</div>]]></description>
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         <pubDate>2023-09-22 13:14:58 UTC</pubDate>
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         <title>österreichische minderheit</title>
         <author></author>
         <link>https://padlet.com/anekdoten/archiv/wish/2716379936</link>
         <description><![CDATA[<div>kommentare anderer zu einem projekt von mir, in dem es um die migrationsgeschichte einer österreichischen minderheit geht:<br>– das interessiert sowieso niemanden.<br>– niemand nimmt das im buchgeschäft in die hand und will es vom thema her lesen.<br>– du musst etwas schreiben das bei den leuten zieht.<br>– wieso schreibst du überhaupt über kroatien.<br>– schreib doch mal was fröhliches.<br>– die leute interessieren sich nicht für dinge nur weil du das gerne so hättest.<br>– mach als nächstes dann aber etwas gescheites.<br>– sei halt dann nicht frustriert wenn es nichts wird.<br>– die ganze energie die du da reinsteckst ist sowieso verschwendet.<br>– das legt man doch sofort wieder weg wenn da "mittelalter" und "kroatien" steht.<br>– wie bist du überhaupt auf diese idee gekommen.<br>– du solltest was schreiben das die leute lesen wollen.<br><br>valerie zichy</div>]]></description>
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         <pubDate>2023-09-22 13:42:49 UTC</pubDate>
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         <title>literaturbetrieb</title>
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         <description><![CDATA[<div>aussagen in einem seminar über den literaturbetrieb&nbsp;(das problem ist nicht das seminar – das seminar war toll! –, sondern der literaturbetrieb an sich):<br>– bekommt man von wettlesen psychische probleme? ja!<br>– alles läuft nur über kontakte.<br>– sucht euch besser auch einen brotjob dazu.<br>– für lyrik müsst ihr euch erst gar keine agentur suchen, der vorschuss ist da zu klein, als dass es sich für die auszahlen würde.<br>– ihr müsst euch verkaufen können.<br>– am ende dieses seminars machen wir dann eine runde gruppentherapie für alle, ihr werdet es brauchen.<br><br>valerie zichy</div>]]></description>
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         <pubDate>2023-09-22 13:52:42 UTC</pubDate>
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         <title>what should we call it?</title>
         <author></author>
         <link>https://padlet.com/anekdoten/archiv/wish/2719752260</link>
         <description><![CDATA[<div>One major problem for writers here is how to categorize their book: "narrative non-fiction" or "creative non-fiction" don't seem to exist in the German-speaking world, although I know quite a few people working in this vein. What they do is neither essay nor fiction, certainly not a novel or short story. So what do you call yourselves? And why are the publishers so poorly informed?&nbsp;<br><br>Andrea Scrima</div>]]></description>
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         <pubDate>2023-09-25 17:31:34 UTC</pubDate>
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      <item>
         <title>we pretend it&#39;s not like this, but of course it is</title>
         <author></author>
         <link>https://padlet.com/anekdoten/archiv/wish/2719807931</link>
         <description><![CDATA[<div>Last summer, after collaborating with an artist on a text she used in an exhibition for a major art venue in Germany, a journalist wrote a long, detailed piece on it for a major paper I won't name here. Week by week, we waited for the article to appear; the editor had given us a date, but kept moving it up, and so, because I was checking in nearly every day, I started to get a fairly good idea of the range of reviews published in this particular paper's art section. There was an article on a young artist – I've forgotten what she did but it was trendy, an arts section editor's idea of art, if that makes sense – posing in a reclining position on a bed. She was pretty, maybe what she was doing was interesting, but it's hard to say, because the overwhelming message of the photo and article was that she was fuckable. I waited another day, and then another; the paper I'm not naming, because I've also written for them on occasion and hope to write for them again one day, reviews women far less frequently than their male peers, no surprise there. A week went by, and then, finally, another review of a woman artist, and again – yes, you guessed it: young, provocative clothing, a come-hither look; fuckable.&nbsp;<br>Is this what makes the art of a young talented woman interesting to male editors, to male reviewers: must she qualify as a candidate for their desire?&nbsp;<br>But my friend is beautiful, I thought, and she's young and definitely, oh definitely fuckable, but she probably doesn't qualify, because her art is focused on institutional criticism, she'd rather root out the bullshit and support it with proof than smile for your camera, and on top of it all she's a POC and isn't interested in posing on anyone's couch or bed to get press, in other words, she's fuckable, but only for the people she is personally interested in fucking, and so not generally fuckable, not for the general reader or editor and not in the sense that erases her achievements, her incredible bad-assedness.&nbsp;<br>I suppose our text was too critical, and the article written about us touched on too many prickly things, and it named names – privilege in the arts, and funding; who sucks up to whom and who gets to say something and where and when – and in the end the article never appeared, and the editor stopped answering the journalist's mails, and the reviews of the fuckable young women continued to appear, but on occasion.&nbsp;<br>Ladies, why do you play along? We pretend it's not like this, but of course it is.<br><br>Andrea Scrima</div>]]></description>
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         <pubDate>2023-09-25 18:07:43 UTC</pubDate>
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         <title>erotische Absage</title>
         <author>kontakt1859</author>
         <link>https://padlet.com/anekdoten/archiv/wish/2720713638</link>
         <description><![CDATA[<div>Ich habe bei einer Literaturzeitschrift Lyrik von mir eingeschickt. In manchen der Texte geht es um Körper. Ich habe eine Absage bekommen, was nicht schlimm ist, jedoch war die Begründung, dass meine <em>erotischen Gedichte</em> nicht in die Zeitschrift passen. Mir stellt sich die Frage, ob ein männlich gelesener Kollege auch diese Form von Feedback bekommen hätte.<br><br>Anna Neuwirth</div>]]></description>
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         <pubDate>2023-09-26 07:32:52 UTC</pubDate>
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         <title>Ketten lesen</title>
         <author>kontakt1859</author>
         <link>https://padlet.com/anekdoten/archiv/wish/2720733812</link>
         <description><![CDATA[<div>Bei einem Vernetzungstreffen haben wir eine Halskette mit unseren Namen getragen und nicht damit gerechnet, wie viel wir darüber sprechen müssen. Die Ketten waren zu diesem Zeitpunkt noch neu. Wir wurden von Personen, die wir zum ersten Mal in unserem Leben gesehen haben (weil wir waren das erste Mal neu bei dem Treffen, während sich die anderen schon jahrelang kannten), gefragt: “Tragt ihr diese Ketten immer? Was ist euer Beziehungsstatus? Seid ihr ein Pärchen? Warum tragt ihr diese Ketten? Seid ihr zusammen?” Eine Person hat diese Frage nicht losgelassen, dass sie uns auch am nächsten Tag wieder dieselben Fragen gestellt hat. Obwohl wir schon am Tag zuvor mit ausweichenden Antworten signalisiert hatten, dass wir nicht darüber reden wollen.<br><br>Julianna<br>(Julia Knaß und Anna Neuwirth)</div>]]></description>
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         <pubDate>2023-09-26 07:47:00 UTC</pubDate>
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         <title>Nicht vergebene Preise</title>
         <author>kontakt1859</author>
         <link>https://padlet.com/anekdoten/archiv/wish/2721381404</link>
         <description><![CDATA[<div>Martin Troger und ich haben 2021 als Kollektiv neutro bei dem Autorenwettbewerb des Südtiroler Autorenverbands teilgenommen. In der Ausschreibung wurde kommuniziert, dass zehn Preise vergeben werden. Wir sind vom Präsidenten des Südtiroler Theaterverbandes informiert worden, dass unser Text nicht unter den Gewinnertexten war, es wurden 28 Texte eingereicht. Weiters sind wir auch darüber informiert worden, dass die Jury bestehend aus Irene Girkinger, Elmar Außerer, Patrizia Pfeifer, Hans Strobl und Torsten Schilling sich weiters dafür entschieden hat nur acht Preise, statt der ausgeschriebenen zehn zu vergeben. Diese beiden Preise waren mit 500 € dotiert. Auf meine Nachfrage, ob auch noch kommuniziert werden wird, wieso sich die Jury dazu entschieden hat diese beiden Preise nicht zu vergeben und somit zweimal 500 € nicht an Autor*innen weiterzugeben habe ich die Antwort bekommen, dass es der Jury laut Ausschreibung frei stand einzelne Preise nicht zu vergeben und dass <em>nach eingehender Diskussion der Jury nur acht Stücke als preiswürdig empfunden</em> wurden. Was mit dem nicht ausgezahlten Preisgeld passiert ist, wurde nicht kommuniziert.<br><br>Anna Neuwirth</div>]]></description>
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         <pubDate>2023-09-26 14:33:36 UTC</pubDate>
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         <title>misogyne Matinée</title>
         <author></author>
         <link>https://padlet.com/anekdoten/archiv/wish/2722773512</link>
         <description><![CDATA[<p>„Von welchem Kollegen bist Du gleich noch mal die Freundin?" fragte mich ein Schweizer Bestsellerautor kurz vor meiner ersten großen Lesung (2012) bei einem österreichischen Literaturfestival. Er konnte sich tatsächlich nicht vorstellen, dass diese junge Frau im Trägerkleid (ich) ihm gleichgestellt war. Nach der Lesung murmelte er im Vorbeigehen kleinlaut: „Starker Vortrag" und schlich davon.&nbsp;</p><p>Eine dumme, kleine Anekdote, die längst vergessen wäre, wenn sie mich nicht begleitet hätte. Bei der Wahl meiner Klamotten. Beim Blick in den Spiegel vor Lesungen. In den stillen Minuten vor dem Auftritt. Über Jahre hinweg.&nbsp;</p><p><br/></p><p>Elisabeth* R. Hager</p>]]></description>
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         <pubDate>2023-09-27 09:15:50 UTC</pubDate>
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      </item>
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         <title>„Sie hat ja auch drei Kinder&quot;</title>
         <author></author>
         <link>https://padlet.com/anekdoten/archiv/wish/2726897773</link>
         <description><![CDATA[<div>Als ich an der Vorbereitung einer Textreihe der „other writers“ saß (es sollte um irgendwas mit Autorschaft und Kindern gehen), dachte ich an meinen ersten Literaturpreis vor fünf Jahren, den von Mecklenburg-Vorpommern. Nach der Lesung gingen alle ins Restaurant und die damalige Direktorin des Künstlerhauses Lukas in Ahrenshoop – zum Preis gehörte ein Residenzaufenthalt – trat an mich heran. Ich sagte ihr, dass ich den einen Monat gerne teilen würde, also zwei Mal für jeweils zwei Wochen anreisen, da ich ein kleines Kind habe. Die Direktorin zeigte sich nicht begeistert, deshalb fügte ich hinzu: So hat es ja auch die Preisträgerin im letzten Jahr gemacht. Na sie hat ja auch drei Kinder, sagte die Direktorin. Mittlerweile findet sich auf der Seite der „other writers“ eine Übersicht mit Residenzstipendien (Ahrenshoop gehört zu den Orten, an denen „Familien unerwünscht“ sind), und mittlerweile kann ich mich an viele kuriose Situationen dieser Art erinnern. [aus: manuskripte, Oktober 2023]</div><div><br>Slata Roschal</div>]]></description>
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         <pubDate>2023-09-30 13:15:09 UTC</pubDate>
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         <title>Anpassungsdruck</title>
         <author></author>
         <link>https://padlet.com/anekdoten/archiv/wish/2738027235</link>
         <description><![CDATA[<div>Als ich anfing, als Autorin aufzutreten, verspürte ich einen starken Anpassungsdruck. So Aussagen wie: „Bei einer Lyrikdebütantin stellt man sich einfach eine junge, ungebundene Frau vor,“ „Ob ein Buch erfolgreich ist, liegt an der personality der Autorin, erst danach geht es um die Texte,“ haben mich begleitet. Mag sein, ja, scheiße, es ist so, aber die Menschen, die so etwas oder ähnliches sagten, stellten das nie ernsthaft in Frage, nicht, dass das Interesse an der Autorin über das an den Texten gestellt wird, nicht, dass Machtverhältnisse und Genderrollen reproduziert werden. Es fiel nicht ins Gewicht, dass Altersdiskriminierung zu verurteilen oder die Vorstellung vom „genialen Autor“ ein Fake ist. Die meisten „Alten Hasen“ in Verlagen etc. versuchen, nach den Regeln zu spielen, um Erfolge und Gewinne zu erzielen – und geben das ganz stark als Erwartungshaltung an die Neuen weiter. Luft machen sich viele in Lästereien über diejenigen, die es nach ihrem Dafürhalten nicht geschafft haben. Die Loser, die Vergessenen. Sich da nicht „kirre machen“ zu lassen, ist schwer, aber es ist wichtig, für jede*n einzelne*n und für den Betrieb, der sich sonst nie ändern wird.<br><br>Sibylla Vričić Hausmann</div>]]></description>
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         <pubDate>2023-10-09 11:47:32 UTC</pubDate>
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         <title>45 zu 5</title>
         <author>studiotuebingen</author>
         <link>https://padlet.com/anekdoten/archiv/wish/2738219725</link>
         <description><![CDATA[<div>Die genaue oder auch nur vage Bestimmung von Maßeinheiten (z.Bsp. Zentimeter) fällt immer noch vielen Männern schwer. Leider überträgt sich diese Schwäche – zwischen Wunsch und Wirklichkeit sinnvoll unterscheiden zu können – auch auf Lesungen, bevorzugt Lyriklesungen. (Schließlich ist ein*e Lyriker*in dem Publikum nicht zumutbar, sehr wohl aber 4, 6 oder 8.) Da werden aus zehn Minuten Vorlesezeit gerne mal 10, 30 oder sogar 45 Minuten. Getreu dem Motto: Die Bühne gehört mir. Was oft dazu führt, dass den Kollegen nachfolgende Schriftstellerinnen diese Minuten dringlich wieder herauslesen wollen, um die Leidensfähigkeit des Publikums nicht über Gebühr zu strapazieren. So werden aus 10 Minuten gerne mal 5. Das ist nicht nur ungerecht, sondern unkollegial. Bitte, liebe Kollegen, kauft Euch eine Uhr.<br><br>Nancy Hünger</div>]]></description>
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         <pubDate>2023-10-09 13:57:55 UTC</pubDate>
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      </item>
      <item>
         <title>Heute könne eben einfach jede publizieren</title>
         <author>studiotuebingen</author>
         <link>https://padlet.com/anekdoten/archiv/wish/2738258771</link>
         <description><![CDATA[<div>Meine allererste Lesung durfte ich mit einem namenhaften Schriftsteller bestreiten. Es ist sicherlich leicht zu erraten, wie aufgeregt und überfordert ich war, wie überwältigt, welch (rückwirkend fragliches) Ehrgefühl in mir anklang. Er hingegen, der mich freudig ignorierte (mir weder die Hand gab, noch mit mir sprach), denn ich war seiner freilich nicht würdig, war sich nicht zu schade, dem Publikum nach meinem Lesepart zu erläutern, dass er geradezu ratlos sei, was meine Gedichte anbelange und es dem Publikum sicher ebenso gehe und es sich in meinem Fall nur um eine lyrische Eintagsfliege bzw. Entgleisung handeln könne. Sein Fazit vor Publikum: „Heute könne eben einfach jede publizieren.“ Die öffentliche Demütigung durch Kollegen hat mich übrigens noch Jahre begleitet und ich weiß bis heute nicht, wie ich damit – ebenso öffentlich – umgehen konnte, ohne daran zu zerbrechen. Das sieht mir nicht ähnlich. Wahrscheinlich war es die Produktivität des TROTZes.&nbsp;<br><br>Nancy Hünger</div>]]></description>
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         <pubDate>2023-10-09 14:22:19 UTC</pubDate>
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         <title>Solidarität unter Übersetzenden</title>
         <author>katy224</author>
         <link>https://padlet.com/anekdoten/archiv/wish/2738456817</link>
         <description><![CDATA[<div>Ich erlebe immer wieder Solidarität in meiner deutsch-englischen Übersetzungsbubble. Wir sind wenige (es wird wenig Literatur ins Englische übersetzt) und die meisten von uns kennen sich. Wer eine Anfrage bekommt und sie zeitlich nicht schafft, empfielt meistens ein*e Kolleg*in anstatt einfach abzulehnen. Wir geben Informationen weiter: welchen Lektor*innen kann man Buchprojekte empfehlen, wie lauten ihre Mailadressen, welcher Verlag ist bereit, eine Beteiligung zu zahlen und ab welchem verkauften Exemplar...<br>Am schönsten finde ich, wenn wir uns untereinander absprechen, falls sich zwei (oder mehr) von uns für die*denselbe*n Autor*in interessieren. Es gilt als verpönt, einer Kollegin eine*n Autor*in wegzuschnappen (jedenfalls im Prosabereich). Ich hatte eine Anfrage für den Roman eines Autors, den sonst eine Kollegin übersetzt, weil der Verlag eine schnellere Lieferung wünschte, als sie wegen anderer Projekte zusagen konnte. Ich schrieb sie an und fragte, ob es mit ihr OK wäre – und was sie als Honorar angeboten bekommen hatte. Ja, sagte sie, kein Ding, aber sie hätten ihr mehr angeboten als mir. So konnte ich selbstbewusster verhandeln, im Wissen, dass der Verlag eigentlich den Preis drücken wollte.&nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp;<br><br>Katy Derbyshire</div>]]></description>
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         <pubDate>2023-10-09 16:31:07 UTC</pubDate>
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         <title>Brav sein</title>
         <author></author>
         <link>https://padlet.com/anekdoten/archiv/wish/2742393919</link>
         <description><![CDATA[<div>Vor wenigen Jahren erschien ein Band mit Kurzgeschichten von mir. Ich hatte rund fünfzig Verlage angeschrieben und war mit rund vierzig ghostings und rund zehn Absagen dankbar, dass ein Verlag um das ganze Manuskript bat und das Buch dann machen wollte. Denn ja, zuerst solle man auf gar keinen Fall Kurzgeschichten verlegen, sondern einen Roman vorlegen. Ich hatte schon Themenpapiere, Radiomagazine und ein Künstlerbuch gemacht, also war ich eh verloren und nicht mehr in eine normale Literaturkarriere einzugliedern. Also dankbar… auch wenn sie mir das ß wieder in ss umwandelten, weil Schweiz….</div><div>Dann passierte auch noch das:</div><div>Als der freischaffende Pressemensch an alle Autorinnen und Autoren in seinem Verteiler eine Ausschreibung weiterleitete, deren Einsendedatum schon mehrere Tage vor der Weiterleitung abgelaufen war, da fragte ich ihn, ob man sich denn noch bewerben könne und also der Einsendeschluss nicht ernst zu nehmen sei. Er wisse es nicht, schrieb er kurz. Ich fragte beim Veranstalter nach. Nein, Einsendeschluss sei abgelaufen. Ich schrieb ihm, der Einsendeschluss sei abgelaufen und fragte ihn, warum er uns denn diesen Aufruf noch weitergeleitet habe. Da muss er sich furchtbar aufgeregt haben und er schrieb: Ich hoffe, dass dir dein Umfeld immer schön pariert! Parieren bedeutet im schweizerischen Wortgebrauch brav sein.<br><br>Sibylle Ciarloni</div>]]></description>
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         <pubDate>2023-10-11 19:35:35 UTC</pubDate>
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         <title>Du schreibst?</title>
         <author></author>
         <link>https://padlet.com/anekdoten/archiv/wish/2742403159</link>
         <description><![CDATA[<div>Als ich noch scheu war und mich mit meinen Experimenten und Erzählungen hinter dem Radiomikrofon versteckte, um einmal pro Monat meine Sendung zu gestalten, hatte ich einen Teilzeitjob als Buchhändlerin. Ich schrieb auch schon anderes, längeres in der Zeit. Eines Tages fragte ich einen Vertreter (der mehrere Literaturverlage vertrat), ob er mir ein, zwei Kontakte zu Lektoraten weitergeben würde. Du schreibst? fragte er. Ich: Ja. (Pause) Er endlich: Ach, lass das mit den Lektoraten. Das hat keinen Sinn. Zuerst musst du bekannt sein, bevor jemand von dir etwas veröffentlichen will! Wenigstens ein bisschen bekannt…<br><br>Sibylle Ciarloni</div>]]></description>
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         <pubDate>2023-10-11 19:43:23 UTC</pubDate>
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         <title>Das nächste Mal bitte den Text lernen</title>
         <author></author>
         <link>https://padlet.com/anekdoten/archiv/wish/2743854518</link>
         <description><![CDATA[<div>Ich wurde eingeladen, auf einem Panel zu einem eindeutig schwul kodierten Thema zu sprechen. Erst sagte ich dem Moderator/Organisator ab, da ich zwar queer, aber nicht schwul sei. Er überredete mich dann aber, doch teilzunehmen, Vielfalt der Stimmen, etc ...</div><div>Während der Diskussion war sich das Panel bei einer Frage einig: Nein, dem sei nicht so, und zwar aus diesem und aus jenem Grund. Ein Autor aus dem Publikum widersprach vehement: Doch doch, aufgrund <em>hiervon</em> nämlich sei es das auf jeden Fall.</div><div>Ja, erklärte der Moderator, ein wenig beschämt, ein wenig enttäuscht, bevor jemand von uns reagieren konnte, <em>das</em> (also der Einwurf des Autoren) wäre die Antwort gewesen, auf die er mit der Frage eigentlich hinausgewollt hatte.</div><div><br></div><div>Tobias Reußwig</div>]]></description>
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         <pubDate>2023-10-12 15:38:25 UTC</pubDate>
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         <title>Zu entdecken </title>
         <author></author>
         <link>https://padlet.com/anekdoten/archiv/wish/2744894820</link>
         <description><![CDATA[<p>Da war er wieder, dieser einzelne Stromer um die fünfzig herum, mit Hut und bedeutungsvollem Auftritt. Er streifte um die kleine Gruppe, die sich zusammengetan hatte, um in kürzester Zeit aus tausend Stimmen ein kollektives, ein gusseisernes Manifest gegen das rechtsradikale Denken zu schmieden. Poetisch und politisch gegen rechts – vielleicht konnte ja ein Wurf gelingen, der am Ende der Konferenz an die gesamte Theaterwelt verschickt werden konnte.&nbsp;</p><p>Die tausend Stimmen waren Theatermacher:innen aus allen möglichen Ländern, Autor:innen und Aktivist:innen von bedrohten ethnischen Minderheiten, marginalisierte Gruppen, Dramaturg:innen aus kleinen wie aus großen Häusern. Und darunter diese kleine Redaktionsgruppe, die sich vorgenommen hatte, in wenigen Stunden aus einer Vielzahl kluger Gedanken und guter Sätze ein starkes Paper zu formulieren.</p><p>Es war ein wahres schweißtreibendes und kollektives Zusammentragen, ein kleiner Bienenhaufen, um den dieser einzelne Dramaturg herumschlich, er wollte zum Rudel – aber wenn er sich dem Rudel näherte, blieb es beim Markieren, bei einem giftigen Strahl.&nbsp;</p><p>Er wollte vielleicht, aber er konnte sich nicht einhaken in einen Text, der gedanklich, sprachlich, rhythmisch – unumstößlich gut nur dann werden konnte, wenn alle Beteiligten ihr Ego suspendierten. Aber er wollte darüber stehen, oder vielleicht auch darunter, er wollte vorkommen, aber als Einziger, er wollte bestimmen, oder gehen. Er glaubte nicht ans Kollektive. Er war dieser einzelne Stromer, er hatte etwas Tragisches. Er tat weh.</p><p>Ich kannte ihn, kannte seine Spezies, die er mit Hut und ausholendem Schritt verkörperte.&nbsp;</p><p>Er war etwas anderes gewohnt. Normalerweise würde er in seiner Theaterkantine sitzen, die spät abends zur Bierhöhle wurde, und mit kleinen Gesten zu verstehen geben, welche der angehenden Theaterkünstler:innen er in seinen engeren Kreis hereinholte, (welche er verstoßen würde.) Mit dem kleinen Finger würde er junge Autor:innen und Regisseur:innen glücklich machen und zum Träumen bewegen. Mit der kleinsten Anspielung einer Interessensbekundung würden Hoffnungen in Form von Exposés entstehen.&nbsp;</p><p>In dieser feudalen und patriarchal-neoliberalen Welt, in der die Autorin, Regisseurin, Bühnenbildnerin zuerst als Frau dechiffriert wurde, und erst dann ihre Kunst, konnte er über Gunst und Gnade walten. Nicht ohne selbst gelernt zu haben, sich zu ducken, wenn der nächst Höhere vorbeikam – der Regisseur, der Intendant.&nbsp;</p><p>In dieser Welt sprengte nur abends die Kunst die Grenzen – für die Dauer einer Inszenierung.&nbsp;</p><p>Er wusste vielleicht nicht, wie unendlich befremdlich und alt diese Welt erscheinen konnte. Und wer wollte darüber urteilen. Schließlich konnte er doch morgen schon wieder dorthin zurück. Sie existierte doch. Nur heute: heute wirkte er wie ein Relikt aus einer fernen Welt.&nbsp;</p><p>Heute wurde er umgangen – während er sonst umzingelt wurde. Heute mochte er sich als Ausgestoßener vorkommen.</p><p>Am Abend hatten wir's geschafft. Das Manifest stand da, felsenfest und zart zugleich. Und sogar die Zeit, es noch ins Englische zu übersetzen, hatten wir gefunden.&nbsp;</p><p>Nun trugen wir es vor. Und es wurde ein Erfolg. Wir waren gelöst, und als der Stromer wieder vorbeigestromert kam, dachte ich: "Wann, wenn nicht jetzt, wäre der Zeitpunkt, um ihn nochmal reinzuholen." Schließlich: was wusste ich schon von ihm. Vielleicht war es selbst längst ausgestoßen von seiner Welt. Sie war gut im Ausstoßen.</p><p>Es war er, der im selben Augenblick die Gelegenheit ergriff und mich herauslöste, um "unter vier Augen" mit mir zu sprechen. Ich kannte diesen Blick, diesen intimen, verschworenen, geheimnisumwobenen und verheißungsvollen Blick. Und er sagte: "Schick mir ruhig mal was zu von dir. Ich hab schon öfters Leute entdeckt."&nbsp;</p><p>Ach. Er versuchte es tatsächlich mit dieser Nummer.&nbsp;</p><p>Ich stockte zuerst, machte dann aber einen Schritt auf ihn zu. Ich erwiderte diesen Blick unter seine Augenlider hinein und sagte: "Weißt du. Ich entdecke mich schon lange selbst."</p><p>Ich war überrascht von mir selbst, und zugleich war's eine Befreiung, und das Lächeln, das ich ihm daraufhin schenkte, war es auch.&nbsp;</p><p>Wir schauten einander kurz an. Dann drehte er sich weg und ging – ging davon und warf mir einen letzten Blick zu – im Zorn.</p><p><br></p><p>Maxi Obexer</p>]]></description>
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         <pubDate>2023-10-13 08:14:06 UTC</pubDate>
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      </item>
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         <title>Die eigenen inneren Schubladen erkennen</title>
         <author></author>
         <link>https://padlet.com/anekdoten/archiv/wish/2745343851</link>
         <description><![CDATA[<div>Dieser Literaturbetrieb hat genau nicht, was vielleicht Unternehmen in der freien Wirtschaft haben: Ein Bewusstsein dafür, dass alle im selben Boot sitzen und wir wollen, dass es der Literatur im Ganzen gut geht. Ich erlebe meist das Gefühl der Verknappung von allem, wodurch diese ganze Vergleicherei entsteht. Als ich noch keine eigne Buchpublikation hatte, fühlte ich mich meistens unterlegen, bei Veranstaltungen oder sonstwie im Kontakt schamhaft befangen, im Prinzip nicht Teil des Betriebes. Auch seitdem muss ich mir ständig selbst gut zureden, mich überhaupt als legitime Akteurin zu empfinden und daran zu glauben, dass es mehr als einen Weg gibt, Teil zu sein, und dass sich die Mühen für die Sache der Literatur überhaupt lohnen. Dieses ständige sich gegenseitig Einordnen und Vergleichen (oft ja gar nicht ausgesprochen) kann ich ganz schlecht abstellen (in anderen Bereichen des Lebens fühle ich das weniger) und es führt dazu, dass ich nur mit einem kleinen Teil meiner Person Teil des Literaturbetriebs sein will. Ich brauche große Pausen, kann nur kleine Dosen. Ich möchte versuchen, selbst offener und unterstützender auf andere zuzugehen, und sie weniger schnell in Schubladen anhand ihrer Publikationen, Netzwerke und der bedienten Genres einzuordnen.&nbsp;<br><br>Eva Brunner</div>]]></description>
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         <pubDate>2023-10-13 14:50:01 UTC</pubDate>
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         <title>Ran an die Strukturen </title>
         <author></author>
         <link>https://padlet.com/anekdoten/archiv/wish/2745562661</link>
         <description><![CDATA[<div>Solidarität, Banden und Netzwerke bilden ist schön und gut und unerläßlich, aber mal ehrlich: wir müssen vor allem an die Strukturen ran. Der Literaturbetrieb agiert noch wie im tiefsten 20. Jahrhundert. Es ist ein neoliberales Rattenrennen, in dem verschiedene Variablen (Marktfähigkeit, Diskurs-Kompatibilität, Selbstdarstellung, Vernetzung u.a.), die nur bedingt was mit konkreter literarischer Qualität zu tun haben, darüber bestimmen, wie literarische Werke wahrgenommen und ausgezeichnet werden. In einer diversen entkanonisierten Gesellschaft gibt es aber nicht mehr die eine preiswürdige Person, die ausgezeichnet gehört. Jede Preisverleihung ist willkürlich und ein quasi kuratorische Entscheidung. Im Grunde gehören alle Preise abgeschafft oder zumindest kollektiviert, d.h. es gibt nicht mehr DEN Büchner-Preis, sondern verliehen an x Autor:innen. Wichtiger aber ist eine Neustrukturierung der Vergabe von Arbeitsstipendien. Sie bilden das wichtigste und effektivste Förderinstrument. Sie sollten entregionalisiert und im großen Stil vom Bund ausgeschrieben werden. Ich rede hier von mindestens 5.000 Stipendien pro Jahr für die Literatur, die niedrigschwellig und nach unterschiedlichen Bedarfslagen beantragt werden können. Ich wünsche mir Mutterschaftsstipendien, 2-3jährige Zuschussstipendien in der Größenordnung von 750 - 1000 € pro Monat, die es Autor*innen ermöglicht, auch über einen längeren Zeitraum ihre Brotjobs zu reduzieren, ich wünsche mir Zuschussprogramme, die Altersarmut von Autor*innen abmildern. Soweit meine anekdotische Träumerei. To be continued. &nbsp;</div><div><br>Erec Schumacher</div>]]></description>
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         <pubDate>2023-10-13 18:01:58 UTC</pubDate>
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      </item>
      <item>
         <title>Kommunikation auf Augenhöhe</title>
         <author>vicihohmann</author>
         <link>https://padlet.com/anekdoten/archiv/wish/2749620565</link>
         <description><![CDATA[<div>Bei der Organisation einer Lesung mit mehreren Autor*innen, teilte mir ein Autor mit, dass er am Termin nicht könne. Da die übrigen Autor*innen bereits zugesagt hatten, teilte ich ihm mit, dass das sehr schade sei. Etwa eine Stunde später erhielt ich erneut eine Nachricht von ihm, in der er sich über absichtliche Ausgrenzung beschwerte. Wir konnten das klären. Ich denke, dass viele Autor*innen aufgrund schlechter Erfahrungen sehr dünnhäutig sind – und den Gegenwind, dem Verleger*innen ausgesetzt sind, unterschätzen. Manchmal können männliche Autoren es aber auch einfach nicht ertragen, wenn eine Frau das Sagen hat. Das sind die Autoren, die mir ihr Manuskript gleich mit fertigem Cover zusenden. Ich frage mich dann, warum sie nicht auch den Erscheinungstermin angeben.&nbsp;<br><br>Victoria Hohmann</div>]]></description>
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         <pubDate>2023-10-16 22:14:28 UTC</pubDate>
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      </item>
      <item>
         <title>feministische Texte</title>
         <author>vicihohmann</author>
         <link>https://padlet.com/anekdoten/archiv/wish/2749623015</link>
         <description><![CDATA[<div>Nach einer sehr gut besuchten Lesung meines Verlags mit vielen tollen Autor*innen zu feministischen Themen in der Lettrétage, kam ein junger Mann auf mich zu. Er fragte mich, ob ich die Verlegerin sei. Ich bejahte. Er fragte nach der Auflagenzahl der Anthologie. Ich nannte ihm die Zahl. Daraufhin fragte er mich, warum ich so viele schlechte Texte in so einer Auflage produzieren würde. Trauen sich das Männer auch bei anderen Männern?&nbsp;<br><br>Victoria Hohmann</div>]]></description>
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         <pubDate>2023-10-16 22:18:12 UTC</pubDate>
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      </item>
      <item>
         <title>Einblick ins Paralleluniversum</title>
         <author></author>
         <link>https://padlet.com/anekdoten/archiv/wish/2750608965</link>
         <description><![CDATA[<div>In Wolfsburg gründete ich um 1976 den „Rosa Käfer“, der aus heutiger Perspektive wohl eine prä-queere Gruppe genannt werden könnte. Da trafen sich etwa 10 bis 15 junge Männer und Frauen von 17 bis 22. Dafür hatte ich Gemeinderäume in der „Arche“ organisiert. Die „Arche“ galt in Wolfsburg als linksextreme Kirchengemeinde, da Pastor Von Wedel einen „Dritte-Welt-Laden“ etablierte und später, 1978 Flugblätter gegen die Fußballweltmeisterschaft im faschistischen Argentinien verteilte. Ich lud die schwule Agitpropgruppe „Brühwarm“ aus Hamburg nach Wolfsburg ein. Mit Musik von Ton Steine Scherben führten sie ein schwules Agitprop-Theaterstück im Wolfsburger Jugendzentrum auf.<br>Am besten gefiel mir das Lied „Irrenanstalt“, scheußlich fand ich dagegen „Ich hab' Angst alt zu werden“, da hier das Klischee des im Alter vereinsamten Schwulen reproduziert wurde. (Das Lied „Alt und schwul“ meines Bruders Max Müller von der Band Mutter ist tausendmal besser!)&nbsp;<br>Zwei Zivilpolizisten im Jugendzentrum standen hinter mir, um zu kontrollieren, dass keine Minderjährigen in den Saal kämen. Damals glaubten viele Menschen an die Verführungstheorie. Also, dass schwule Lustgreise Jugendliche abfangen und verführen könnten.<br>Als ich 1979 von Wolfsburg nach Westberlin zog, hatte ich weder eine abgeschlossene Berufsausbildung noch einen festen Job. Da ich gratis in einem Kreuzberger Durchgangszimmer wohnte, war es möglich vom Kellnerjob im Cafe „Anderes Ufer“ zu leben. Und dass, obwohl die Kellner lausig bezahlt wurden. Jobs gab es wenig, aber frisches, zugezogenes Fleisch auf Jobsuche gab es genügend in Westberlin.&nbsp;<br>1980 wurde ich an der Hochschule der Künste aufgenommen, erhielt BäFög und gründete mit einem Kommilitonen Die Tödliche Doris, eine Punkband und Kunstprojekt. Unser erster Proberaum war das SCHWUZ in der Kulmer Straße. Hier wurde Egmont Fassbinder, ein Neffe des Filmemachers auf mich aufmerksam. Er betrieb dort gemeinsam mit Hans Hütt den Rosa Winkel-Verlag. Sie hatten gehört, dass ich Comics zeichne. Sie gaben mir eine Carte Blanche und so konnte mein erstes Comicheft entstehen. Je länger ich daran zeichnete, umso mehr dekonstruierte ich den Comic-Strip an sich. Das Comicheft erschien dort zeitgleich mit dem ersten Comic von Ralf König. Mein Heft war ein Flop, für mich jedoch nicht unerwartet, während sich das Debüt von Ralf König gut verkaufte. Heute ist Ralf König ein Bestsellerautor. Sein Comic „Der bewegte Mann“ wurde mit Til Schweiger für das Kino verfilmt. Königs Comics werden, so heißt es,&nbsp;hauptsächlich von heterosexuellen Menschen gekauft. Vielleicht glauben diese, dass sie sich so einen unterhaltsamen, liebevollen Einblick in die schwule oder auch LGBT-Community verschaffen können? So eine Art Paralleluniversum, in der sie ein bißchen herumstöbern können, vergleichen, Ähnlichkeiten und Unterschiede zu ihrem Dasein bemerken.<br>Ich wurde mal gefragt, ob ich die Laudatio bei einer Preisverleihung für Ralf König halten könnte. Irgendwie folgte nach meiner Zusage auch schnell darauf die Absage, obwohl mich das gereizt hätte, mir etwas auszudenken, also was Positives. Auch wenn mir die Vorstellung, mein Leben lang Comics oder wiedererkennbare Knollnasenmenschen zu zeichnen die Zehennägel nach oben zieht, so freue ich mich doch über den Erfolg anderer.&nbsp;<br><br>Wolfgang Müller&nbsp; &nbsp; &nbsp;&nbsp;</div>]]></description>
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         <pubDate>2023-10-17 11:34:46 UTC</pubDate>
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      </item>
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         <title>getting clouted across the ear</title>
         <author>lucyjonesberlin</author>
         <link>https://padlet.com/anekdoten/archiv/wish/2754587636</link>
         <description><![CDATA[<div>Some years ago, I was asked to do a sample of a translation directly for a writer. He had the money and couldn’t understand why his publisher wasn’t promoting him more actively. I needed the money and was happy to have the work. Once the sample was done, he sent it to his publisher and asked them to try and sell the rights. After some time, they came back and told him that they had checked the sample in-house and had come to the conclusion that they didn't think it was a sample they could use. When pressed, they singled out one word in the sample – a word that a colleague in the publishing house, who had spent time living in England, had never heard of.</div><div>I asked colleagues what they thought and the answers were unanimous: your sample is fine. People with years of experience in the business, native speakers, assured me that it was a good sample, that it read well.&nbsp;<br>Later, the author showed the sample to friends of his – English native speakers and otherwise – and they all voted on whether the sample was okay. The voting went to two rounds but it fell in favour of the sample. I woke up each morning to check how the voting had gone.</div><div>Was I a scapegoat because the publisher didn’t like being strong-armed by the author to promote his book?&nbsp;<br>I will never know.<br>I do know that I nearly stopped translating just when I was just starting out. It was too stressful to be picked apart like that.<br><br>Lucy Jones</div>]]></description>
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         <pubDate>2023-10-19 13:25:26 UTC</pubDate>
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      </item>
      <item>
         <title>selber Job, ein Drittel weniger Honorar?</title>
         <author></author>
         <link>https://padlet.com/anekdoten/archiv/wish/2760757451</link>
         <description><![CDATA[<p>seit 2008 schreibe ich für einen Verlag Verlagsgutachten: ich lese Manuskripte oder in anderen Ländern bereits erschienene Bücher (meist auf Englisch) und fasse auf ca. vier Seiten den Plot zusammen, beschreibe Stil, Stimmung, mögliche Zielgruppen und Probleme des Texts und, ob ich mir dafür einen Platz im Verlagsprogramm vorstellen könnte.</p><p>pro Gutachten bekomme ich 120 Euro – Geld, ohne das ich mir nach dem Studium niemals längere Aufenthalte in Kanada oder Miete für ein Zimmer hätte leisten können. 2015 findet im Lektorat des Verlags ein Personalwechsel statt. eine neue, sehr freundliche Person sagt, dass künftig nur 80 Euro für solche Texte gezahlt werden können. </p><p>ich kann mir damals zum Glück leisten, offen zu antworten, dass ich das geringere Honorar für die selbe Arbeit zu demotivierend finde: aus Freundlichkeit übernehme ich noch ein, zwei letzte Gutachten. </p><p>auch später ist der Verlag immer wieder zugewandt und wertschätzend zu mir – doch ich hoffe, niemand in der Verlagsbranche ist gezwungen, für die selbe Leistung immer weniger Honorar annehmen zu müssen. „für 80 Euro kann ich mich nicht motivieren“, das offen antworten zu können, ging 2015 nur, weil ich an anderen Ecken sparen und Geld verdienen konnte – ein Privileg.</p><p><br/></p><p>Stefan Mesch</p>]]></description>
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         <pubDate>2023-10-24 10:03:13 UTC</pubDate>
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         <title>Wieder mal bunt angezogen</title>
         <author>katy224</author>
         <link>https://padlet.com/anekdoten/archiv/wish/2760768257</link>
         <description><![CDATA[<p>Oh, deutschsprachiger Literaturbetrieb! Warum trägst du immer so dezente Farben? Das Setting: eine Indie-Verlagsparty auf der Frankfurter Buchmesse, geht erst um 22 Uhr los. Meine Bekleidung: grün, pink, weiß, Polyester, wie eine 70er-Jahre Dolly Parton. Gefühlt alle anderen: dunkelblau, schwarz, grau, Jeans, T-Shirts. Ich fühle mich wie so oft exponiert, als ob das Diskolicht nur auf mich scheint. </p><p>Ob es ein Klassenhintergrundding ist – man zieht sich doch schick an für Partys – oder ein Engländerinding – man zieht sich doch schick an, besonders für Partys – oder einfach ein Ichding – Kleidung als Schutzschild – weiß ich nicht. Aber ich ziehe mich vermutlich weiter bunt an. Hast du nicht Lust ab und zu mitzumachen, deutschsprachiger Literaturbetrieb?</p><p><br/></p><p>Katy Derbyshire</p>]]></description>
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         <pubDate>2023-10-24 10:13:25 UTC</pubDate>
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      </item>
      <item>
         <title>„Sie ist doch lesbisch, oder?“</title>
         <author></author>
         <link>https://padlet.com/anekdoten/archiv/wish/2760775515</link>
         <description><![CDATA[<p>Aus meinen Jahren als Buchhändler habe ich eins gelernt: Kaum jemand interessiert sich dafür, in welchem Verlag ein Buch erscheint. Es geht immer um Autor*innen, Themen und Titel. Eine Erkenntnis, die zwar die meisten Verlagsleute nicht wirklich wahrhaben wollen, aber dennoch zu den vielen nützlichen Lektionen zählt, die ich aus dem Buchhändleralltag in meine Tätigkeit als Verlagsmitarbeiter mitgenommen habe.</p><p>Am Messesamstag in Frankfurt hat mich jedoch eine Besucherin eines Besseren belehrt. Interessiert stand eine Frau in mittleren Jahren lange bei uns am Stand, einen Zettel in der Hand, und nahm sämtliche Neuerscheinungen sehr genau in Augenschein, dabei schnaufte sie ein paarmal, ob vor Verärgerung, Verwunderung oder wegen der Menschenmenge in der Halle 3 erschloss sich mir auf den ersten Blick nicht. Schließlich schaute sie zu mir, räusperte sich kurz und fragte: „Aber die Bücher von Carolin Emcke habt ihr gar nicht ausgestellt?“ Als ich ihr dann etwas verdutzt antwortete, dass die Titel der würdigen Trägerin des Friedenspreises des deutschen Buchhandels leider, leider nicht bei uns im Querverlag, sondern bei S. Fischer erschienen sind, musterte sie mich kurz konsterniert, bevor sie dann mit dem zwar wahrheitsgemäßen, wenn auch etwas wunderlichen Satz herausplatzte: „Aber die ist doch lesbisch, oder?“ Dies bejahte ich, schickte gleich hinterher: „Aber trotzdem sind die Sachen bei Fischer erschienen, nicht bei uns.“ „Hmm, komisch“, sagte sie, „ich wollte endlich mal ein Buch von der Emcke lesen. Da bin ich einfach davon ausgegangen, dass ihre Bücher im Querverlag sind. Da sie halt lesbisch ist, die Emcke. Hmm, dann Fischer eben. Auch gut.“</p><p>Hilfreich wie ich bin, schrieb ich ihr die Standnummer von Fischer auf, legte aber vorsichtshalber unser Gesamtverzeichnis und meine Visitenkarte dazu, mit der Bitte, falls Carolin gerade Signierstunde am Stand macht, sie ihr gleich in die Hand zu drücken. Man weiß ja nie. Vielleicht sucht die Emcke einen Zweitverlag?<br><br>Jim Baker</p>]]></description>
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         <pubDate>2023-10-24 10:20:26 UTC</pubDate>
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      <item>
         <title>Drei Monate (Cyber-) mobbing, aber wen interessiert&#39;s, weil: boys don&#39;t cry</title>
         <author></author>
         <link>https://padlet.com/anekdoten/archiv/wish/2763756690</link>
         <description><![CDATA[<p>Seit ich „Literatur schaffe“ habe ich mehr als 150 queere Texte von Kolleg*innen publiziert. Nahezu immer ehrenamtlich. Und auch in meinem letzten Buch, ein Sammelband zu Männlichkeit*en, waren wieder 12 von 19 Texten queer. In den Augen mancher aufgebrachter Instagram-Nutzer*innen (inklusive geschätzer Kolleg*innen aus dem Literaturbetrieb) war einer der 7 nicht-queeren Texte nicht feministisch genug, weshalb sie eine Kampagne starteten und bis heute am Laufen halten, die sich zuerst nur gegen diesen einen Autoren und seinen Text richtete, sehr schnell dann aber auch gegen den Verlag, die anderen Autor*innen aus dem Sammelband, das Buch als Ganzes und schliesslich, seit sie besagtem Autor nicht mehr habhaft werden konnten, gegen meine Person und alles, was ich literarisch tue und aufgebaut habe: Auf den einschlägigen Profilen stehe ich mit Bild am Pranger, mein Name wird als Täter-Schützer*in und Schützer*in des Patriarchats herumgereicht, das Buch wird vom Verlag als Ganzes zurückgezogen, eine Spiegel-Journalistin fordert mich auf Twitter auf, nicht rumzuheulen, ein_e andere_r stimmt in der Taz mit ein, die zwei Verursacherinnen und Treiberinnen des Shitstorms schreiben Kooperations-Partner*innen von mir an, mit dem Ziel sie zur Ausladung von mir zu drängen, Kolleg*innen lassen Veranstalter*innen wissen, dass sie mit mir nicht auf die Bühne wollen, eine nach der anderen Veranstaltung mit mir wird abgesagt – auch solche, die nichts mit dem Sammelband zutun haben –, mir entsteht ein bezifferbarer Schaden von rund 10.000 Euro (Honorarausfälle und Anwaltskosten. Rufschaden nicht mit eingerechnet), zukünftige Einnahmen aus dem Buch entfallen, zwei Jahre Arbeit an dem Buch waren umsonst, und, neben vielen anderen die vorläufig letzte Volte in dem Drama: zwei Mitglieder des Autor*innen-Kollektivs, mit dem ich die erste und einzige queere – von mir initiierte und am Leben gehaltene – Literaturzeitschrift im deutschsprachigen Raum produziere, verlassen auf Druck der beiden Hauptakteur*innen des Shitstorms – wovon die eine noch immer nur anonym auftritt – die Redaktion, weil nun auch diese beiden Kolleg*innen aufgrund der Kampagne, die auf unvollständigen und (auch von Institutionen wie dem Literaturhaus Rostock, dem ILB uä) falsch kolportierten Tatsachen beruht – meine Integrität anzweifeln. Und das alles nur, weil ich nach bestem Wissen und Gewissen ein Buch herausgegeben habe, das Männlichkeit und damit das Patriarchat queeren sollte. Und weil ich den ziemlich haltlosen Vorwürfen und völlig unverhältnismässigen, essentiell-feministischen Forderungen, meinem Mit-Herausgeber in den Rücken zu fallen, nur, weil er ein cis-heterosexueller Mann ist, nicht nachgeben wollte. Und was macht der Literaturbetrieb? Er schweigt, weil: boys don't cry. Und egal, wie queer-feministisch und non-binär ich bin, mich fühle und handle, in den Augen der cis-heteronormativen (Literatur-)Welt bleibe ich ein Boy.</p><p><br></p><p>Donat Blum</p>]]></description>
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         <pubDate>2023-10-26 01:05:26 UTC</pubDate>
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      <item>
         <title>Wie Autorin Françoise Cactus zum Autor wurde</title>
         <author></author>
         <link>https://padlet.com/anekdoten/archiv/wish/2767294278</link>
         <description><![CDATA[<p>Eigentlich wollte ich 1993 im bis dato ausschließlich mit Autoren vertretenen Maas-Verlag die Anthologie „Die Hormone des Mannes“ veröffentlichen. Darunter waren Beiträge von Autorinnen, z. B. von Hermoine Zittlau, Sabina Maria van der Linden und meiner langjährigen Freundin Françoise Cactus, die später als Musikerin bei Stereo Total bekannt wurde. (In meiner Anthologie gab es natürlich auch Beiträge von Männern.)</p><p>Doch mein Projekt platzte. Der Verleger hatte mein Vorwort mit vielen idiotischen Kommentaren, Frage- und Ausrufezeichen sowie Streichungen kommentiert. Auf den A-4-Blättern sah das jedoch großartig aus. Wie eine Illustration zum Thema.</p><p>Doch was sollte ich nur mit diesem Lektorat machen? Ich schlug dem Verleger Erich Maas vor, dass er mein Vorwort, genau so wie ich es ihm gegeben hatte, zusammen mit seinen handschriftlichen Zusätzen veröffentlicht. Zweifarbig. Mit der Überschrift „Ein Vorwort von Wolfgang Müller mit Anmerkungen von Erich Maas“. Mein Text würde dann schwarz gedruckt sein und seiner, der Vorlage entsprechend, in blau. Obwohl ich mich bereit erklärte, die zusätzlich entstehenden Druckkosten zu tragen, weigerte er sich.</p><p>„Die Hormone des Mannes“ erschien deshalb im Martin-Schmitz Verlag, während ich mein Vorwort später separat als Künstlerbuch in kleiner Auflage (12 Ex.) im hybriden-Verlag veröffentlichte, mit transparenten Blättern, auf dem die handschriftlichen Anmerkungen des Lektorats übertragen waren.</p><p>Die erste Autorin im Maas-Verlag tauchte ein Jahr nach meiner geplatzten Anthologie auf, in Mario Mentrups Anthologie „Bubizin/Mädizin“. Allerdings war ihr Name falsch geschrieben. Sie erschien als Mann, nämlich als François. Obgleich Françoise Cactus den Verleger mehrfach auf die Falschschreibung ihres Namens in Prospekten und später den Fahnen hinwies, wurde sie im Maas Verlag auch weiterhin als Mann, als François Cactus geführt – noch heute zu finden sowohl im Buch als auch auf dessen Cover. </p><p><br></p><p>Wolfgang Müller</p>]]></description>
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         <pubDate>2023-10-28 22:11:53 UTC</pubDate>
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      </item>
      <item>
         <title>Ich habe so was nie erlebt!</title>
         <author></author>
         <link>https://padlet.com/anekdoten/archiv/wish/2772533719</link>
         <description><![CDATA[<p>Gehen wir mal einige Jahre zurück … Neue Verlagsstelle, neue Stadt, Umzug. Diverse stressige Anläufe, um einen WG-Platz oder eine Wohnung zu finden, enden mit Aussagen wie „Ich habe wirklich nichts gegen Ausländer, aber mein Vermieter ist ein rechtes Arschloch.“, „Wir haben genug Leute wie sie im Haus.“ oder „Aha, türkischer Name … hmh, tut mir leid. Ich sehe gerade, dass die Wohnung bereits vermietet ist. Wir haben vergessen, die Annonce zu löschen.“</p><p>Paar Tage später im Verlag treffe ich auf einen großen und erfolgreichen Autor, den ich bewundere. Er fragt, ob ich mich schon eingelebt habe, ich erzähle von den rassistischen Erfahrungen während der Wohnungssuche. „Das kann nicht sein, das kann ich gar nicht glauben. Ich habe so was nie erlebt. Du musst es falsch verstanden haben.“, erwidert er (weiß, hetero, cis) souverän. Ich gucke ihn ungläubig an, während meine Vorstellung von ihm in meinem Kopf klirrend zerbricht. „Und überhaupt! Wenn du es mit dem Schreiben zu was bringen willst, brauchst du einen anderen Namen. Das kann doch keine Sau lesen!“</p><p><em>Klirrr!</em></p><p><br></p><p>Aşkın-Hayat Doğan<em> </em></p>]]></description>
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         <pubDate>2023-11-01 16:53:25 UTC</pubDate>
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      </item>
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         <title>Resonanz</title>
         <author></author>
         <link>https://padlet.com/anekdoten/archiv/wish/2777729589</link>
         <description><![CDATA[<p>Ich hatte kein Literaturinstitut besucht und gehörte nicht zum Literaturbetrieb, als ich „Im Halbschlaf“, mein erstes Buch, geschrieben habe, das vom Jahr nach Biermanns Ausweisung handelt. Ein Journalist sagte mir, er würde alles lesen, nur nichts über die DDR, die käme ihn schon bei den Ohren heraus. Das war 1997. Trotzdem schickte ich meine Textproben auf gut Glück an Verlage und natürlich nahm ich die Absagen persönlich und hatte noch mehr Selbstzweifel als für gewöhnlich. Die Freundin meines Sohns, eine amerikanische Vielleserin empfahl mein Manuskript ihrem Bekannten György Dalos, der mein Manuskript prompt gelesen und es seiner eigenen Verlegerin ans Herz gelegt hat. Die Suche nach einem Verlag fand unverhofft ein glückliches Ende. Zu meiner Belustigung wurde das Buch genau von jenem Olaf lektoriert, der mich, eben noch in einem anderen großen Verlag angestellt, besonders herablassend abgewimmelt hatte. György Dalos zählt bis heute zu meinen Freunden, Olaf habe ich aus den Augen verloren.</p><p><br></p><p>Helga Kurzchalia</p>]]></description>
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         <pubDate>2023-11-06 09:54:26 UTC</pubDate>
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      </item>
      <item>
         <title>Valeska Gert: Mein Weg (1931)</title>
         <author>ulfur</author>
         <link>https://padlet.com/anekdoten/archiv/wish/2786234018</link>
         <description><![CDATA[<p>Die geniale Valeska Gert (1892–1978) sah ich erstmals 1975 als 18-jähriger Glamrocker in einer TV-Talkshow. Sofort wurde ich zum Fan. Jahrzehnte später ergab sich die Möglichkeit, ein Buch über sie zu verfassen. Es sollte im Martin Schmitz Verlag veröffentlicht werden. Dessen Verleger ist ebenfalls ein Gert-Fan.</p><p>In der NDR-Talkshow sprach Valeska Gert unter anderem über ihr Buch, das 1931, also fünf Jahre nach Hitlers „Mein Kampf“ in Leipzig erschienen war. Ihr Buch heißt, fast wie ein Kommentar auf Hitlers Scheißbuch, ganz unpathetisch und trocken  „“Mein Weg“ und war so frisch geschrieben, dass die Lektüre auch heute noch großes Vergnügen macht. Es ist anarchisch und amüsant. Im TV-Talk sagte sie, sie habe damals  „Mein Weg“ für Sergej Eisenstein geschrieben, damit er sie besser verstehe. Nun sei das Buch leider schon lange vergriffen. Leider?</p><p>Valeska starb im Alter von 86 Jahren im Jahr 1978. Dreißig Jahre später fragte ich Martin Schmitz, ob mein Valeska Gert-Buch  „Ästhetik der Präsenzen“ nicht zusammen mit einem Reprint von  „Mein Weg“ erscheinen könne. Zwei Bücher im Schuber. Oder in einem Buch, ihr Buch dann gesondert auf andersfarbigem Papier. Martin Schmitz fand schnell ihre erbberechtigten Verwandten. Die sagten:  „Oh, Muttchen hätte sich sehr gefreut, wenn ihr Buch wieder erscheinen würde.“  War also kein Problem, die Rechte zu bekommen. Beide Bücher erschienen 2010. Zusammen mit der Kunstwissenschaftlerin An Paenhuysen kurierte ich anschließend die Valeska Gert-Ausstellung  „Bewegte Fragmente“ im Hamburger Bahnhof – Nationalgalerie der Gegenwart.</p><p>Valeska Gerts zweites Buch „Die Bettlerbar von New York“ erschien übrigens 1951 im Selbstverlag. Ich hatte den Reprint einigen Verleger:innen ans Herz gelegt. Alle winkten schnell ab. Dann griff Karl Lagerfeld zu. Der Bücherliebhaber hatte eh einen guten Geschmack, in punkto Mode und Literatur und eine eigene Edition im Steidl-Verlag. In seiner KL Edition erschien 2012  „Die Bettlerbar von New York“.  Das fand ich prima!</p><p><br></p><p>Wolfgang Müller </p>]]></description>
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         <pubDate>2023-11-12 16:45:34 UTC</pubDate>
         <guid>https://padlet.com/anekdoten/archiv/wish/2786234018</guid>
      </item>
      <item>
         <title>„Es gibt schon genügend erschreckende Beispiele“</title>
         <author></author>
         <link>https://padlet.com/anekdoten/archiv/wish/2808851793</link>
         <description><![CDATA[<p>Ich wurde angefragt, ein Gedicht von Allen Ginsberg ins Deutsche zu übertragen. Das Projekt zielte auf die Überarbeitung einer in den 1990ern erschienenen Sammlung von Gedichten. Der ursprüngliche Herausgeber des Projektes sprang bald ab, weil ihm Ginsbergs Sprache und politische Positionen nicht mehr zeitgemäß erschienen und er ein kritisches Nachwort nicht als adäquate Möglichkeit einer historischen Kontextualisierung betrachtete. Ein anderer Herausgeber übernahm. Dieser hatte mit Ginsbergs Sprache und Positionen offensichtlich weniger Probleme.</p><p>Ich machte mich also an die Übertragung eines Gedichts über schwulen SM-Sex ins Deutsche und versuchte die zum Teil misogynen und pädophilen Tendenzen darin zu reduzieren bzw. nicht unkritisch zu aktualisieren. Ich hatte nämlich mit der Verlegerin vereinbart, dass ich Ginsbergs Gedicht in ein Deutsch unserer Zeit bringe, was nur durch Nachdichtung, keinesfalls durch eine lineare Übersetzung zu machen war. „Fuck my like a girl“ übersetzte ich mit „fick mich richtig durch“. <br>Der Herausgeber monierte: „Das Mädchen rauszustreichen ist nicht nur eine Frage der Sprache der Gegenwart, sondern ein echter Eingriff in den Text, und einen solchen muss sich ein Übersetzer verkneifen, auch wenn ihm das dort Gesagte nicht in den Kram bzw. die Weltanschauung passt.“<br>Ich musste ausholen und schrieb: „Es geht bei dem Problem nicht um Übersetzung, sondern um Sensibilität im Umgang mit dem Wort ‚Mädchen‘. Ich weiß nicht, was Sie sich vorstellen, wenn sie das Wort ‚Mädchen‘ hören, aber ich sehe eine 7 bis 14jährige. Auf jeden Fall weder eine Frau noch einen schwulen Mann. Man kann ‚girl‘ nicht einfach so 1 zu 1 übersetzen, denn im Deutschen aktualisiert es die oben erwähnten pädophilen Tendenzen. Ginsberg schrieb ‚fuck me like a girl‘, um vielleicht die im SM-Spiel simulierte Erniedrigung deutlich zu machen. Er schreibt nicht ‚fuck me, girl‘ oder sowas, sondern impliziert, dass man ficken solle, wie man ein Mädchen halt so fickt. Als wäre es ‚normal‘, so etwas zu tun. […] Es geht in dem Text für mich um ein simuliertes Machtgefälle zwischen zwei Personen, das wird im ‚fick mich richtig durch‘ deutlich. Es wäre nicht nur ethisch, sondern auch ästhetisch fragwürdig, auf Teufel komm raus das stereotype ‚Mädchen‘ noch unterzubringen.“</p><p>Der Disput eskalierte, da der Herausgeber offensichtlich schon im Produktionsprozess eines Buches von der Cancel-Angst befallen wurde. Er warnte: „Ich brauche Ihnen nicht zu schildern, wo wir landen, wenn wir dieses Prinzip auf alles anwenden würden, es gibt schon genügend erschreckende Beispiele.“ Der Herausgeber war im Übrigen nicht der Meinung, dass ein Gedicht mit dem Titel „Please Master“ eine SM-Thematik aufrufe, denn die darin beschriebene Sexualität sei, Zitat: „in der Schwulenszene doch keineswegs ungewöhnlich“.<br>Ohne die Vermittlung der Verlegerin wäre es wahrscheinlich zu keinem Kompromiss mehr gekommen. Zahlreiche Emails gingen hin und her. Der Herausgeber nannte weiterhin meine Haltung Weltanschauung, und die habe in den Texten Allen Ginsbergs nichts zu suchen. Wir einigten uns am Ende doch auf das Angebot meinerseits, bestimmte Wörter, so auch ‚girl‘, im deutschsprachigen Text auf Englisch zu belassen. Damit konnte ich zwar halbwegs leben, groß bewerben wollte ich meinen Text und das an sich schöne Buch allerdings nicht. <br>„Please Master“ erschien neben vielen anderen Gedichten im Imprint-Programm eines großen Publikumsverlags – dann ohne allzu kritisches Nachwort. Ich verdiente an dem Projekt 50,- Euro.</p><p><br/></p><p>Alexander Graeff</p>]]></description>
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         <pubDate>2023-11-30 10:42:55 UTC</pubDate>
         <guid>https://padlet.com/anekdoten/archiv/wish/2808851793</guid>
      </item>
      <item>
         <title>Literatur als Subversion?</title>
         <author>info22880</author>
         <link>https://padlet.com/anekdoten/archiv/wish/2808886978</link>
         <description><![CDATA[<p>Ich hatte ein Stipendium am Goethe-Institut in einem ostasiatischen Land. Lange vor Antritt wurden die zukünftigen Stipendiat*innen gebeten, sich eine Fragestellung für eine Veranstaltung auszudenken, die dann später vor Ort mit einer Gesprächspartnerin von vor Ort, in meinem Fall ebenfalls Schriftstellerin, stattfinden würde. Ich fand das ziemlich schwierig, da ich in dem Land noch nie gewesen war. Mein Titel lautete „Literatur als Subversion?“; dazu schrieb ich, wie gewünscht, einen kleinen Beschreibungstext. Vom damaligen Leiter des Goethe-Instituts, der seit mehreren Jahrzehnten in Ostasien lebte, kam dann zurück, man könne dieser anderen Kultur nicht mit so einem europäischen Konzept begegnen. Ich sagte, dass ich offen sei für Änderungsvorschläge, hörte dazu aber nie wieder etwas. Monate später, ungefähr 10 Tage vor der Veranstaltung, bekam ich per Mail von einer der Mitarbeiterinnen den fertigen Flyer zugeschickt. Darauf stand als Veranstaltungstitel „Frauenliteratur – Was soll das bedeuten?“ Ich schrieb ihr sofort zurück, not very amused. Fünf Minuten später klopfte sie bei mir an die Wohnungstür (die Büros lagen ein Stockwerk höher als die Wohnungen der Stipendiat*innen) und entschuldigte sich hundertmal, es war ihr sichtlich unangenehm, sie fand den neuen Titel genauso furchtbar wie ich. Ich sagte sofort, sie brauche sich nicht zu entschuldigen, mir sei klar, dass das nicht auf ihrem Mist gewachsen sei... Daraufhin meinte sie zerknirscht, ja, sie habe auch gerade X [damaliger Leiter des dortigen Goethe-Instituts] gebeten, mit mir zu sprechen, da sie auch fand, dass er das mit mir besprechen müsse. Der Titel kam natürlich von ihm. Doch darauf habe er nur geantwortet: Er habe jetzt Wichtigeres zu tun. Entschuldigt hat er sich natürlich nie, das Gespräch mit mir hat er auch nie gesucht. Die Veranstaltung wurde unter seinem Titel durchgeführt; der Flyer war ja bereits gedruckt. Ich bestand aber darauf, dass auf der Webseite des Goethe-Instituts nicht dieser, sondern mein ursprünglicher Titel verewigt wird (was auch gemacht wurde). Die Veranstaltung selbst war dann allerdings sehr schön: Denn meine Gesprächspartnerin und ich verstanden uns blendend. Wir unterhielten uns 90 Minuten lang über „Literatur als Subversion?“. Mit dem Konzept konnte sie sogar ausnehmend viel anfangen. Wir sprachen ausführlich darüber, dass der Veranstaltungstitel nicht von uns kam und darüber, warum wir ihn beide problematisch fanden. Das war schon toll: Der deutsche Leiter eines Goethe-Instituts in einem Land sagt sinngemäß, ich könne nicht dieses Land mit meinem Konzept überfahren, woraufhin er mich und die andere Schriftstellerin, die aus diesem Land ist, mit seinem Konzept überfährt, woraufhin eine weibliche Mitarbeiterin, die ebenfalls aus diesem Land ist, sich bei mir entschuldigt, während er alles prima findet. Und mein Konzept oder Thema stellt sich am Ende sogar auf mehreren Ebenen als überaus passend für die Veranstaltung heraus. Literatur als Subversion? Voilà.</p><p><br/></p><p>Lilian Peter</p>]]></description>
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         <pubDate>2023-11-30 11:17:45 UTC</pubDate>
         <guid>https://padlet.com/anekdoten/archiv/wish/2808886978</guid>
      </item>
      <item>
         <title>barrierefreies essen gibt es nicht</title>
         <author></author>
         <link>https://padlet.com/anekdoten/archiv/wish/2815928065</link>
         <description><![CDATA[<p>auf keiner einzigen literaturveranstaltung, an der ich bisher aktiv oder passiv teilgenommen habe, gab es ungefragt informationen über die zusammensetzung des essens. auf nachfrage hat es bisher nur ein einziges mal geklappt. und das, obwohl es erst einmal nur um deklaration ging, nicht um medizinisch notwendige "sonderwünsche". die trau ich mich schon gar nicht mehr auszusprechen. </p>]]></description>
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         <pubDate>2023-12-06 12:49:29 UTC</pubDate>
         <guid>https://padlet.com/anekdoten/archiv/wish/2815928065</guid>
      </item>
   </channel>
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