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      <title>CREATIVE WRITING by Ida Wolf</title>
      <link>https://padlet.com/ida_wolf/creativewriting</link>
      <description>stories about anything and everything</description>
      <language>en-us</language>
      <pubDate>2020-12-21 11:54:47 UTC</pubDate>
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         <title>Scheißtag</title>
         <author>ida_wolf</author>
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         <description><![CDATA[<div>Es gibt Tage, da frage ich mich ernsthaft, wieso ich morgens überhaupt aufgestanden bin. Kennt ihr das? Diese Tage, an denen im Ansatz schon alles den Bach runter geht, noch bevor man überhaupt das zweite Augenlid geöffnet hat. Und noch bevor man die Bettdecke zurückschlägt, weiß man, dass es nicht besser, sondern immer nur noch schlimmer werden wird. Der ganze Tag von der ersten Sekunde an zum Scheitern verurteilt und man ahnt, man weiß, man sollte eigentlich einfach liegen bleiben. Weil, was immer man von diesem Moment - diesem verhängnisvollen Moment, in dem man von nachtschlafender Ahnungslosigkeit in den grausamen Zustand geistiger Anwesenheit driftet - an auch tut, es wird schiefgehen. Die Erkenntnis trifft einen wie ein Schlag: Heute ist ein Scheißtag!<br>Vielleicht verweigert man sich dieser Erkenntnis zunächst. Man redet sich ein, man sei zu melodramatisch, und dass es so schlimm ja nun gar nicht werden kann. Man kramt nach dem letzten Rest Optimismus und quält sich aus den warmen Laken, doch bis zum Ende des Tages obsiegt gnadenlos der Realismus und man muss sich eingestehen, dass man auf den ersten Impuls hören und im Bett hätte bleiben sollen. Und genau so einen Tag hatte ich heute. Starten wir also am Anfang.<br><br>Ich war noch nie jemand, der morgens leicht aus dem Bett kommt. Ich bin nunmal kein Morgenmensch. Eher Typ Nachteule. Ich gehe also abends spät ins Bett und kämpfe dann morgens mit der Tatsache, dass ich einen dieser grauenhaften Berufe erlernt habe, bei denen man ohne Kompromisse und ohne jede Toleranzbrücke pünktlich um 8.00 Uhr morgens hellwach parat zu stehen hat, einsatzbereit und im Idealfall auch noch bestens gelaunt, egal welche kleinen oder größeren Sorgen einen gerade quälen. Doch meistens schaffe ich das eigentlich ganz gut. Ich mag kein Morgenmensch sein, aber zum Glück bin ich auch kein Morgenmuffel und daher meist leidlich gut gelaunt, wenn auch nicht unbedingt wach. Schon gar nicht vor der dritten Tasse Kaffee. Aber gut. Ich komme meist irgendwie durch den Morgen und dank einer Anfahrt von summa summarum 30 Minuten erreiche ich meinen Arbeitsplatz gewöhnlich in einem Zustand latenter Zurechnungsfähigkeit und halbwegs gewappnet für allen Unbill, der mir potenziell entgegenfliegen könnte.<br>Ich gehöre zu der Sorte Mensch, die nicht einen, sondern gleich drei Wecker ihr eigen nennt und den dritten nach einer kurzen Verweigerungsphase dann auch tatsächlich hört. Ich nenne das Stufen-Wecken. Stufe 1 ist der Wecker meines Handys, der pünktlich um 5.30 Uhr beginnt, sanft anschwellend eines meiner Lieblingslieder zu spielen und mich so Stück für Stück aus einer genüsslichen Tiefschlafphase in einen Zustand halbwacher Teilwahrnehmung überführt, ohne mich jemals wirklich zu wecken. Stufe 1 ist gewissermaßen ein Wegbereiter. Sie bereitet den Weg für Stufe 2. Stufe 2 beginnt gewöhnlich um 5.45 Uhr und besteht aus einem Piepse-Wecker mit Schlummerfunktion, der sich zunächst vorsichtig, ja beinahe schüchtern bemerkbar macht und schon mal vorfühlt, ob ich denn demnächst gedenke aufzuwachen. Piep… Piep… Piep… Reagiere ich auf dieses sanfte Anstupsen nicht, was zugegeben meist der Fall ist, so reagiert er mit etwas mehr Nachdruck. Piep-piep… Piep-piep… Piep-piep… Hilft auch das nicht wirklich, steigert er seine Bemühungen in ungeahnte Höhen - Piep-piep-piep-piep… Piep-piep-piep-piep… - bis er schließlich die Reaktion bekommt, auf die er gewartet hat. Eine Hand schnellt unter der Bettdecke hervor, haut ihm eine auf’s Dach und überredet ihn damit nachhaltig, für die nächsten 5 Minuten den Mund zu halten. Nach Ablauf dieser Ruhephase beginnt er sein Unterfangen erneut, wiederum zunächst sehr schüchtern. Stufe 2 verfolgt also den alleinigen Zweck, erste instinktgesteuerte und rein körperliche Reaktionen zu provozieren, ohne jede Einflussnahme eines wachen Verstandes. Für letzteren ist schlussendlich Stufe 3 verantwortlich. Sie startet um Punkt 6.00 Uhr und damit eigentlich schon 15 Minuten zu spät für einen entspannten morgendlichen Routineablauf mit schmerzhaft schrillendem Lärm. Dieser rührt von einem alten Oma-Wecker her, einer von der Sorte mit zwei Glocken obenauf, dazwischen ein metallenes Pendel, welches mit atemberaubender Geschwindigkeit und nicht zu verachtender Kraft absolut gnadenlos gegen ebenjene Glocken drischt, ohne Pause, ohne Verständnis für arme verschlafene Seelen wie mich. Trotz aller Anstrengungen seiner Kameraden aus den Stufen 1 und 2 findet er ein verschlafenes, halbmenschliche Laute von sich gebendes Bündel unter dicken Decken vergraben vor, welches entgegen aller Erwartung bis vor Einsetzen des dämonischen Lärms noch nicht ansatzweise im Land der bewussten Wahrnehmung angekommen war und sich nun desorientiert fragt, woher zum Teufel nochmal dieser vermaledeite Krach kommt! Geschätzt etwa 5 Minuten später setzt meine erste bewusste Reaktion des Tages ein - ich schalte den Wecker aus. In der Regel stehe ich danach auf. In einem Zustand kalten Schocks ob des unerwartet groben Weckvorgangs, aber ich stehe auf. An Tagen wie heute nicht. An Tagen wie heute hält der wache Zustand nur kurzfristig an, um dann einer spontanen komatösen Rückkehr in die Waagrechte zu weichen. Sinnlos zu sagen, dass ich an solchen Tagen verschlafe.<br><br>So begann also mein heutiger - wir erinnern uns - Scheißtag mit einer Verzögerung von knapp 30 Minuten um 6.30 Uhr, was gleichermaßen freilich auch bedeutet, ich durfte meiner entspannten Morgenroutine noch nicht mal „Hallo“, geschweige denn „Leb wohl“ sagen. Der Tag begann also mit der panischen Erkenntnis, dass ich bereits 30 Minuten zu spät dran war, noch bevor ich überhaupt die Bettdecke zurückgeschlagen hatte. Und wie das nun mal immer so ist, zumindest in der subjektiven Wahrnehmung von uns Teilzeitpessimisten, kommt ja bekanntlich ein Unheil selten allein. Nachdem ich also in einer Mischung aus verschlafener Teilbewusstlosigkeit und perplexem Schockzustand das Licht im Bad anschaltete, dicht gefolgt vom Radio, klärte mich sogleich der freundliche junge Mann in selbigem darüber auf, dass für heute eine Blitzeis-Warnung auf Bayerns wunderschönen Verkehrswegen vorlag. Großartig. Nun ist Blitzeis tatsächlich nicht das Problem. Blitzeis bedeutet praktisch faktisch, dass ich meine Verspätung tatsächlich mit höherer Gewalt entschuldigen kann. Denn - bei eisglatten Strassen kann eine Strecke von 35 Kilometern sich durchaus zu einer halben Ewigkeit ausweiten. Eine Blitzeis-Warnung jedoch bedeutet, dass nicht zwangsweise Blitzeis vorliegen muss, was eine Entschuldigung durch Berufung auf selbiges mit Recht schwierig macht. Wohl bedeutet eine Warnung aber, dass sich meine Verspätung auf ungeahnte Längen ausweiten könnte, da allein die Warnung circa 50% der Durchschnittsautofahrer bereits dazu veranlasst, vorsorglich das Gaspedal nicht weiter als bis zur 30km/h-Marke durchzudrücken, was meine Chancen auf ein pünktliches Eintreffen an meinem Arbeitsplatz binnen einer Zehntelsekunde um 80% schrumpfen ließ. Ausgehend von den - nach dem gescheiterten Weckstufenplan - ohnehin nur mehr 85% ließ mich diese Tatsache also schlagartig mit entmutigenden 5% zurück. Als dann nach erst halb getaner Arbeit auch noch mein Fön den Geist aufgab, lösten sich auch diese spontan in Luft auf.<br><br>So traf ich denn nach einem entschuldigenden Anruf 10 Minuten zu spät in der Arbeit ein. Nun sollte ich an dieser Stelle vielleicht erwähnen, dass ich zur so viel beneideten Spezies Lehrer gehöre. Und da dieser Berufsstand nicht immer mittags nachhause geht und anschließend das süße Leben genießt, sondern nicht selten bis nachmittags arbeitet, nur um anschließend Korrekturarbeiten am Esstisch zu erledigen, ungeahnte Mengen an Papier zu laminieren und immer neue, möglichst innovative, motivationssteigernde und optisch ansprechende Arbeitsblätter zu erstellen, bis um 1 Uhr nachts die Erkenntnis heranreift, dass man tatsächlich (!) fertig ist mit der Vorbereitung des folgenden Schultages und man endlich (!) schlafen gehen kann, hatte ich auch heute einen Satz brandneu erstellter Arbeitsblätter im Gepäck, die freilich vor Stundenbeginn noch im 32-köpfigen Klassensatz kopiert werden wollten. Da nun aber „Digitalisierung“ sich hartnäckig als Unwort des Jahres bewirbt und so auch in den Schulalltag mehr und mehr Einzug hält, hatte ich die Blätter nicht wie üblich zuhause ausgedruckt, sondern auf die Cloud hochgeladen, um sie von dort am Schuldrucker auszudrucken. Mein Versuch, einen nachhaltigen Beitrag zum Qualitätsmanagement unserer Schule zu leisten, wurde postwendend und wie ich finde über die Maßen grausam bestraft.<br>Da diese Arbeitsblätter nun einen nicht zu vernachlässigenden Teil meiner Unterrichtsplanung für die ohnehin verspätet beginnende erste Unterrichtsstunde darstellten, kam ich also nicht umhin, einen der vier vorsintflutlichen Schulrechner anzuwerfen und mich in die Cloud einzuloggen. Ich drückte also völlig ohne jeden Argwohn den Powerknopf. Soweit so gut. Zur Abwechslung fuhr die Kiste auch ohne Mucken und Murren hoch und blinkte mich dann mit einem fröhlichen „Zum Anmelden drücken Sie bitte Strg+Alt+Entf“ auf blauem Grund an. Gut. Krieg ich hin. Ich drückte also - immer noch guter Dinge - besagte Tastenkombination. Die Reaktion des schnurrenden Geräts: Nichts. Gut, kann passieren, es ist noch früh, vielleicht hast du dich verdrückt. Also nochmal. Wieder: Nichts. Gut, dachte ich da noch, versuchen wir es mit der Maus. Geht. Okay, dann müsste das mit der Tastenkombination ja eigentlich auch funktionieren. Also nochmal, diesmal mit mehr Nachdruck. Wiederum: Nichts. Mein erster Verdacht: Das Ding ist gar nicht angeschlossen. Also das Kabel der Tastatur verfolgt - unter dem Bildschirm durch, dann unter den Tisch, hinten an der Wand entlang, hinein in ein undurchsichtiges Gewirr aus Kabeln, von denen ich mir sicher bin, dass nicht mal die Hälfte davon tatsächlich gebraucht wird, wieder nach oben auf den Tisch, und rein in den Rechner. Okay. Steckt. Daran lag’s also wohl nicht. Trotzdem ging das Ding offenbar nicht. Ein Blick auf die Uhr verriet mir sodann, dass es an der Zeit war, die harten Bandagen auszupacken und so drückte ich einfach nochmal auf den Powerknopf, diesmal mit mehr Durchhaltevermögen, bis ein befriedigendes elektrisch knisterndes Klick, gefolgt von einem plötzlich schwarzen Bildschirm mir unmissverständlich mitteilte, dass der PC jetzt aus ist. Schön. Nach einem kurzen und zugegeben sehr einseitigen Gespräch mit der verdammten Kiste habe ich ihn also wieder eingeschaltet, meine Drohungen betreffend einen spontanen Fall aus dem geöffneten Fenster des dritten Stocks zischend wiederholend. Und siehe da - offenbar hängt er trotz seines respektablen Alters immer noch am Leben. Er ging. Samt Tastatur. Also Strg+Alt+Entf, die zweite - et voilá! „Bitte geben Sie Ihr Passwort ein.“ Hu?? Das hatte ich ja noch nie gebraucht. Gut, okay, zugegeben, in der Regel laufen die Rechner auch immer schon, bis ich mich dransetze. Gut, also mal sämtliche Verdachtswörter abgegrast. Schließlich ereilte mich der berühmte Hoffnungsschimmer am Horizont für diesen schlimmsten aller Tage, denn kurz nachdem er mich höflich darauf aufmerksam gemacht hatte, dass er nach dem nächsten missglückten Eingabeversuch meinen Zugang sperren würde, hat er’s gefressen. Es war das offensichtlichste aller Passwörter in derartigen Einrichtungen und ich frage mich immer noch, wieso ich vorher 5 andere deutlich einfallsreichere Kombinationen überhaupt in Erwägung gezogen habe. Aus datenschutzrechtlichen Gründen werde ich die letztendliche Lösung meines Passwortproblems hier aber nicht im Detail erörtern. Nichts desto trotz - ich war drin. Also nur noch Cloud aufrufen, Dokument öffnen und auf „Drucken“ klicken. Mittlerweile war die erste Stunde bereits gut zur Hälfte um, aber was soll’s. Manchmal lässt das Schicksal eben nicht mit sich verhandeln, und nach dem Ausdruck müsste ich diesen ja nur noch 32 mal kopieren und gut. Der Drucker machte undefinierte Streifen, auf die ich mir beim besten Willen keinen Reim machen konnte, die mein sorgsam entwickeltes Layout aber gründlich versauten, aber schon gut. In der Not darf man eben nicht wählerisch sein. Und sicher könnte ich das Arbeitsblatt ja nächstes Jahr wieder gebrauchen, sodass die 45 Extraminuten, welche ich gestern Abend kurz nach Mitternacht noch auf’s Layouting verwandt hatte, ja nun sicher nicht umsonst gewesen waren. Jetzt also noch ab in den Kopierer mit dem Ding und schon konnten die letzten 20 Minuten meiner am Vorabend sorgsam geplanten Unterrichtsstunde beginnen.<br>Bevor Sie, werter Leser, langsam das Interesse an meinen Ausschweifungen verlieren, will ich an dieser Stelle das Drama etwas abkürzen. Letztlich habe ich in dieser ersten Unterrichtsstunde um 8.35 Uhr das Klassenzimmer betreten, gegen 8.40 Uhr die Arbeitsblätter ausgeteilt, welche der Kopier erst beim dritten Anlauf kopiert hat, da er sie erst im falschen Format ausgespuckt, dann im Papiereinzug verschluckt hat, nur um mir schlussendlich mitzuteilen, dass er nach dieser Anstrengung erst einmal Papiernachschub braucht, und die Stunde dann um 8.45 Uhr beendet. Um der Weltenordnung nicht Unrecht zu tun, möchte ich hier aber auch darauf verweisen, dass der Rest meines Tages vergleichsweise ruhig und unspektakulär verlaufen ist und ich ihn letzten Endes wider Erwarten tatsächlich überlebt habe, auch wenn der holprige Beginn desselben durchaus anderes vermuten ließ. Nichts desto trotz hoffe ich inständig, dass morgen ein besserer Tag wird. Und falls nicht - falls sich morgen früh auch nur ansatzweise dieses Gefühl einstellen sollte, dieses unsägliche unterschwellige Ahnen, dass dieser ach so unschuldig scheinende Tag sich zu einem ausgewachsenen Scheißtag entwickeln könnte - dann werde ich morgen, und das schwöre ich bei all meinen Weckern, auf diesen ersten Impuls hören. Und einfach im Bett bleiben.</div>]]></description>
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         <pubDate>2020-12-21 11:54:47 UTC</pubDate>
         <guid>https://padlet.com/ida_wolf/creativewriting/wish/1035782583</guid>
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         <title>Sorgen und Nöte eines Gitarristen in der Coronakrise</title>
         <author>ida_wolf</author>
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         <description><![CDATA[<div>Wenn einer eine Reise tun sollte, aber wegen Corona-Ausgangsbeschränkungen nicht kann…<br>Das ist der erste Gedanke, der sich mir aufdrängt, als ich eines schönen Tages, inmitten des ganzen Corona-Chaos, meinen Gitarrenkoffer öffne, um mir die unglaubliche Masse an plötzlich zur Verfügung stehender Zeit mit mehr denn überfälligem Üben zu vertreiben, nur um festzustellen, dass mein geliebtes Instrument grauenhafte Risse am Boden aufweist. Wo die herkommen kann ich mir erst mal so gar nicht erklären. Was aber sofort zweifelsfrei und mit einem Gefühl von schweißtreibendem Schock klar wird, ist, dass hier definitiv Handeln angesagt ist.<br>Für alle Nicht-Gitarristen, die mit der Thematik nicht vertraut sind und damit zugegeben keine Chance haben, meine plötzliche Panik nachzuvollziehen: Risse in einer Gitarre sind - unbehandelt - ein Todesurteil. Das Holz fällt zunehmend in sich zusammen, die Risse arbeiten, werden größer und größer, bis die ganze Konstruktion schließlich einfach auseinanderbricht und das Instrument unwiderruflich verloren ist.<br>Dieses Instrument begleitet mich seit vielen Jahren. Wir haben viel zusammen erlebt - Wettbewerbe, Konzerte (gute und schlechte), Aufnahmeprüfungen und jahrelanges Studium. Wir haben eine Beziehung zueinander aufgebaut, die irgendwo des Weges sentimentalen Charakter angenommen hat. Der Gedanke, dieses Instrument zu verlieren, ist unerträglich. Ich kenne jede Kurve, jeden winzigen Kratzer im Holz. Meine Finger finden blind die Stellen, an denen die Töne exakt so klingen, wie ich sie in meinem inneren Ohr höre. Jahre des stundenlanges Übens haben uns zusammengeschweißt. Wir kennen einander wie ein altes Ehepaar. Und zu jedem anderen Zeitpunkt wäre völlig klar, was zu tun ist: Ab ins Auto und die rund 300 km quer durch Deutschland zu meinem Gitarrenbauer fahren, mit Bitte um sofortige Rettung vor der drohenden Katastrophe.<br>Doch es ist nicht jeder andere Zeitpunkt. Wir leben in Zeiten von Corona - und nichts ist, wie es war, wie es sein sollte. Normalität hat sich schon vor Wochen verabschiedet. Die Zeiten, in denen man sich einfach ins Auto setzen und drauf los fahren konnte, sind Vergangenheit. Die Frage aller Fragen lautet demnach: Was tun???<br>So sitze ich also in meinem Wohnzimmer, das geschundene Instrument neben mir, und überlege fieberhaft und mit zunehmendem Gefühl der Verzweiflung, wie sich dieses Problem wohl lösen ließe. Nun wird jeder andere wahrscheinlich sagen: Wo liegt das Problem? Die Post arbeitet doch! Schick das Ding doch einfach nach Markneukirchen!<br>Okay. Legitimes Argument, werden nun einige sagen. Und sicherlich - das könnte man tun. Rein objektiv wäre es ein Leichtes: Ein stabiler Karton, jede Menge Füllmaterial wie Luftpolsterfolie oder Holzwolle beispielsweise, der Hinweis „Zerbrechlich, nicht werfen, nicht nass oder kalt lagern!“ in unübersehbaren Lettern auf allen Seiten. Und schon kann’s losgehen. Rein objektiv eine praktikable Lösung für mein Problem. Rein objektiv.<br>Ich bin nicht objektiv. Nicht in diesem Punkt. In den meisten anderen Punkten des Lebens durchaus, da halte ich mich für einen objektiven, schwer zu beeinflussenden und vernünftig-rational denkenden Menschen. Ruhig, besonnen, selten bis nie vorschnelle Urteile fällend. Aber nicht in diesem Punkt. Dieses spezielle Thema betreffend bin ich - und das gebe ich ganz offen zu - absolut voreingenommen und definitiv in jedwedem Sinne ein sprichwörtlich gebranntes Kind. Denn tatsächlich bin ich auf diese Idee auch schon gekommen. Vor mittlerweile immerhin zwanzig Jahren. Und vielleicht lag es an meiner Jugend damals, vielleicht an den dringlichen Umständen, vielleicht war es auch nur der initiale Schock ob der Erkenntnis, dass eine Institution, der ich vertraute und die nur einen einzigen Zweck zu erfüllen propagierte, in eben jenem Zweck so dramatisch und absolut enttäuschend versagte. Was auch immer der tiefere psychologische Grund dafür war, dieses Ereignis war für mich praktisch das, was der Elektroschock für Pawlowschs Hund: ein aversiver Stimulus, welcher unweigerlich eine totale, ausnahmslose und in höchstem Maße generalisierte Vermeidungsreaktion nach sich zog. Aber vielleicht sollte ich die ganze Geschichte erzählen.<br><br>Wir schreiben also das Jahr 2000. Januar, um genau zu sein. Russland beschießt fröhlich das tschetschenische Gotzny, Frankreich weigert sich beharrlich, englisches Rindfleisch einzuführen aus Angst vor BSE und „American Beauty“ gewinnt den Oscar für den besten Film. Mich interessiert das alles allerdings zu dieser Zeit - und in retrospekt eigentlich selbst bis heute - herzlich wenig, denn ich stecke mitten in den Vorbereitungen für einen Wettbewerb: Jugend musiziert, Landesebene. Und da mir auch schon bevor die Jury des Regionalwettbewerbs mich dezent darauf hinwies klar war, dass meine Gitarre nicht mehr wirklich bundrein und darum dringend bedürftig einer restaurativen Maßnahme ist, überlege ich - meiner heutigen Situation nicht unähnlich - fieberhaft, wie ich meine Gitarre so schnell wie möglich, mitten in der Schulzeit, den Landeswettbewerb gerade zwei Wochen in der Ferne und ohne eigenes Auto, nach Erlangen schaffe. Die einfache Lösung meiner damaligen Gitarrenlehrerin: UPS. Aufgrund ihrer eigenen pawlowesquen Erfahrungen rät sie mir vom Versand via DHL dringend und mit bedenklicher Vehemenz ab. Gut. Also einen großen Karton aus dem Keller gekramt, jede Menge Zeitungspapier, Luftpolsterfolie und Holzwolle reingestopft, Gitarre sauber im Koffer verstaut in den Karton gepackt und mit ordentlich Paketklebeband gesichert. Mit dickem, schwarzem Edding - Entschuldigung, Schleichwerbung… - mit dickem, schwarzem Permanentmarker auf Alkoholbasis einer in Ahrensburg, Schleswig-Holstein ansässigen Firma noch in unübersehbaren Blockbuchstaben „Vorsicht, zerbrechlich!“, „Nicht werfen!“ und „Nässe und Kälte vermeiden!“ auf jeden freien Zentimeter Karton geschrieben und das ganze Paket dann auf 10.000 der, damals schon in den letzten Zügen liegenden, stabilsten Währung der Welt versichert. Nach Anmeldung des Pakets und einem Telefonat mit meinem Gitarrenbauer, auf dessen Geheiß ich vor der ganzen Verpackungsaktion freilich noch einen Zettel in den Koffer gelegt habe mit klaren Anweisungen, was zu tun ist, kommt denn auch tags darauf ein junger Mann in wenig schmeichelhafter, brauner Uniform vorbei, um das sorgsam verschnürte Paket abzuholen. Natürlich verläßt er die Türschwelle nicht, ohne den wiederholten Hinweis meinerseits, dass dieses Paket ein Instrument im Wert eines Kleinwagens beinhaltet und mit äußerster Sorgsamkeit ob seiner Fragilität zu behandeln sei. Er nickt beflissen und macht sich mit meinem kostbaren Stück Klangholz von dannen. Ich bin guter Dinge und ob meiner damals noch äußerst optimistischen Grundeinstellung zur Menschheit und dem Leben generell eigentlich recht positiv gestimmt. Bis tags darauf mein Telefon klingelt.<br>„Deine Gitarre ist angekommen“, kann ich die zugegeben aufgrund nur spärlicher Kommunikation zwischen uns recht wenig vertraute Stimme meines Gitarrenbauers vernehmen. Ich bin erleichtert, sie ging zumindest nicht verloren. Doch was als nächstes kommt, lässt mir das Blut sprichwörtlich in den Adern gefrieren: „Hab den Zettel gefunden: Soll ich den Riss in der Decke nicht rausmachen?“<br>Panik. Unglaube. Völlige Verwirrung. WELCHER RISS?!?!?<br>„Welcher Riss?“, frage ich sodann mit ziemlich zittriger Stimme, das Schlimmste befürchtend. „Naja, den 20 Zentimeter Riss, der sich vom Steg bis rüber zur Zarge zieht“, antwortet er, als wäre das offensichtlich. Und aus seiner Sicht ist es das sicherlich auch. Nur - als ich mein geliebtes Instrument auf den Weg geschickt habe, war da kein Riss. Nirgends! Niemals! Und genau das sage ich ihm auch.<br>Nach einem Fünf-Minuten-Gespräch, das sich anfühlt wie eine halbe Ewigkeit, einigen wir uns darauf, dass der nahende Wettbewerb eine Reparatur des Risses derzeit leider nicht erlaubt. Er überholt also erst mal nur - wie auf meinem Zettel auch erläutert - das Griffbrett und schickt (!!!) mir mein Instrument dann mit UPS (!!!!!) wieder zurück. Ich hege kurz die grauenhafte Angst, nur mehr Sägespäne zurückzuerhalten. Denn - soviel steht zweifelsfrei fest - Schuld an dem Debakel ist eindeutig ein Versandunternehmen mit drei Buchstaben und kackbraunen Uniformen! Ich spüre förmlich, wie sich eine lebenslange Aversion gegen die Kombination aus gelb und braun auf jedweder Oberfläche in meinem tiefsten Innern manifestiert. <br>Und rückblickend kann ich bestätigen: Ich hatte Recht! Die Konditionierung ist so schlagartig, so nachhaltig und allumfassend, dass ich bei der Erwähnung von „Gitarre“ und „Versand“ im selben Satz, ja auch nur latent im selben Zusammenhang, bis heute jedes Mal ein unterschwelliges Zittern sich aus den Tiefen meiner Magengrube bis zu den Haarwurzeln ausbreiten spüren kann.<br>Zur Verteidigung des nicht weiter einer Erwähnung würdigen Versandunternehmens: Den Rückweg hat sie heil überstanden. Der so sorgsam verpackte Karton kam zurück in all seiner Pracht. Eingedellt, bis aus einem ehemaligen Rechteck praktisch ein Oval geworden war, aufgerissen an zwei Ecken und an einer ebendieser patschnass und durchgeweicht bis auf die Holzwolle. Bei Auslieferung noch dazu eiskalt. Möglicherweise war der Transporteur selektiver Analphabet. Soll heißen, möglicherweise ist er des Lesens der deutschen Sprache in fünf Zentimeter hohen Blockbuchstaben durchaus mächtig, solange sie nicht in der Kombination N-I-C-H und T in eben dieser Reihenfolge auftreten. Das würde erklären, wieso er offenbar alles das gemacht hat, was ich explizit auf den Karton geschrieben hatte, dass er nicht tun soll. Möglicherweise. Möglicherweise hat es ihn auch nur einfach nicht interessiert.<br>Wie dem auch sei, letztenendes hat die abgeschlossene Versicherung drei Monate später die bereits drei Wochen später erfolgte Reparatur des Disasters bezahlt und das Instrument lebt tatsächlich heute noch. Mein derzeitiges Problem löst diese Tatsache allerdings nicht.<br><br>Schließlich kapituliere ich in Anbetracht der Erkenntnis, dass ich dieses Problem gar nicht lösen kann. Und so starte ich meinen Laptop und öffne das Email-Programm.<br>„Lieber Mario“, beginne ich also, dem Gitarrenbauer meines Vertrauens zu schreiben, als mir einfällt, dass Bildmaterial zur Veranschaulichung des Problems sicher hilfreich wäre. So zücke ich also mein Handy und fotografiere das Disaster, während mir das Herz blutet bei dem Anblick in Großaufnahme. Mit einem seltsamen Gefühl von Übelkeit in der Magengegend lade ich die Bilder auf den Computer hoch und schreibe meine Email weiter. Unweigerlich scheint in der Email meine Panik durch. Offenbar bemerkt dies auch Mario sofort bei Erhalt, denn bereits zehn Minuten später bekomme ich seine Antwort - und mag ihn gleich noch viel mehr als ohnehin schon!<br>Er schickt mir gleich morgen einen Speditionsdienst seines Vertrauens, bereits vielfach eingesetzt und gitarrenerprobt, der meine Gitarre abholt und zu ihm bringt! Perfekte Lösung! Doch dann kommt der Haken: „Bitte pack die Gitarre sorgfältig in Karton ein.“ Aha. Okay… Eine Gitarre ist nicht unbedingt ein Bleistift. Oder Kochbuch. Oder sonst irgendwie von einem Format, das in handelsübliche Versandkartons passt. Also stellt sich die Frage: Wie komme ich an einen Karton, der groß genug für meine Gitarre inklusive Koffer ist? Erster Gedanke: Keller!<br>Seit Monaten will ich meinen Lagerkeller aufräumen. Dort stapelt sich Karton in allen Varianten, Formen und Größen. Seit Monaten will ich aufräumen - Betonung auf „wollen“. Bisher konnte ich mich nämlich noch nicht aufraffen. Und zum ersten Mal bin ich froh und dankbar für meine erstaunliche Lethargie, wenn es um das Thema Aufräumen in jeglicher Form geht. Also ab in den Keller und die herumliegenden Kartons durchforstet. Leider muss ich schon nach kurzem Blick feststellen, dass nicht ein Karton dabei ist, der auch nur annähernd groß genug wäre. Soviel also dazu.<br>Letztlich wende ich mich an die eine Person, die Zeit meines Lebens in der Lage war, jedwedes wie auch immer geartete Problem zu lösen: Meinen Papa. Et Voilá! Die Lösung ist gefunden. Zwar hat auch er keinen Karton, der meine Ansprüche - oder vielmehr die meiner Gitarre - erfüllen würde, aber er hat immerhin Luftpolsterfolie en masse. Und einige größere Kartons hat er auch. Zusammen mit seiner Idee, mehrere Kartons zusammenzukleben scheint also die Lösung meines Problems zum Greifen nahe. Also die acht Kilometer Richtung heimische Gefilde gefahren - das darf man ja immerhin noch - geklingelt und in einem seltsamen Tanz überstreckter Arme, vor und zurück wippender Oberkörper und einem generellen Vor und Zurück, das entfernt an Polkaschritte erinnert - man will ja schließlich den Sicherheitsabstand von 1,5 Metern einhalten -, Kartons und Unmengen Luftpolsterfolie - die mit den großen Kissen - entgegengenommen. „Moanst, des g’langt?“, fragt er mich und die Frage ist, obwohl sie in Anbetracht des bis zum Rand gefüllten Kofferraums - und ich fahre einen Caddy - beinahe karrikativ wirkt, tatsächlich ernst gemeint. Ich nicke dankbar. „Wenn ned, kommst hoid nomoi, i hab scho no was da“, lässt er mich in seiner üblichen, stets unterstützenden Art wissen. „Alles klar, danke!“, rufe ich noch, schon im Auto sitzend, und mache mich auf den Heimweg.<br>Inzwischen ist eine weitere Email von Mario eingetroffen, die mich darüber informiert, dass der Spediteur morgen zwischen 8.00 und 18.00 Uhr vorbeikommt, um meine Gitarre abzuholen. Und in jeder anderen Situation hätte ich mir beim Lesen dieser Nachricht ein sarkastisches Lachen nicht verkneifen können. Ein Zehn-Stunden-Zeitfenster. Ernsthaft? An einem Wochentag? Doch Corona hat auch seine Vorteile: Ich bin zum Zuhause-Rumsitzen praktisch verdammt, die Schulen und damit meine Arbeitsstätte sind geschlossen und es ist mir damit völlig egal, wann genau der Herr Spediteur vorbeikommt. Ich werde da sein. Ich darf ja sonst nirgends hin.<br>Dennoch, ab 8.00 Uhr morgen früh bedeutet freilich, dass ich mein heißgeliebtes Instrument heute noch eingepackt kriegen muss, denn morgen früh mache ich das sicher nicht. Ein weiterer Vorteil von Corona ist nämlich, dass ich praktisch (fast) täglich ausschlafen kann, und ich habe vor das so lange wie nur irgend möglich in vollen Zügen zu genießen. Ganz sicher stehe ich also nicht um 6.00 Uhr morgens auf, um eine Gitarre in Luftpolsterfolie zu wickeln. Nein, das mache ich lieber gleich.<br>Und so beginne ich das Unternehmen „Atomkriegsichere Verpackung für ein spanisches Saiteninstrument“ eben genau damit: Mit Luftpolsterfolie. Ich stopfe Teile davon in den Koffer, um sicherzustellen, dass mein geliebtes Instrument auch nicht im Koffer hin und her poltern kann. Ich wickle den gesamten Koffer in drei Lagen des widerspenstigen Materials und stelle dabei fest, dass große Luftpolster, wenn sie gegeneinander reiben, einen Ton produzieren, der exakt dieselbe Wirkung auf den Hörnerv hat, wie Fingernägel, die über eine Tafel kratzen. Es kostet mich etwa 20 Minuten Zeit, etwa 10 Meter Paketklebeband und einen Großteil meiner ohnehin brachliegenden Nerven, aber am Ende ist der Gitarrenkoffer mitsamt Gitarre zu meiner von Überfürsorglichkeit definierter Zufriedenheit stoßsicher verpackt. Und das so effizient, dass ich nicht mehr weiß, wo oben und unten ist. Buchstäblich. Ich kann beim besten Willen nicht mehr sagen, welches Ende dieses an ein Michelin-Männchen erinnernden Gebildes oben ist. Aber egal, beide Enden sind wichtig und müssen geschützt werden, also spielt es am Ende ja keine Rolle mehr, welches welches ist, oder? Die Logik ist unumstößlich, beschließe ich und mache mich daher daran, das Karton-Problem zu lösen. Ich komme recht schnell zu der Erkenntnis, dass ich in jedem Fall zwei Kartons irgendwie ineinander stecken muss, wenn das Michelin-Männchen plus zusätzlicher Luftpolsterfolie, Styroporchips und Zeitungspapier darin Platz haben sollen. Es dauert eine Weile, erfordert den wiederholten Einsatz einer Schere, eine Menge räumliches Vorstellungsvermögen, einen dritten Karton zur Überbrückung der Lücke zwischen den ersten beiden und noch mehr Klebeband, aber am Ende habe ich tatsächlich zwei Kartons so miteinander verbunden, dass das Luftpolstermonstrum eines Gitarrenkoffers darin Platz hat. Zusammen mit einer unglaublichen Anzahl an Styroporchips und zusammengeknülltem Zeitungspapier, dazu - nur für den guten Ton - noch mehr Luftpolsterfolie. Ich überlege kurz, ob ich den Permanentmarker der nicht näher genannten Firma aus Ahrensburg holen und meine üblichen Warnhinweise auf das beeindruckende Exemplar moderner Kunst kritzeln soll. Ich entscheide mich dagegen. In einem kurzen Anflug paranoider Energie drängt sich mir nämlich der Gedanke auf, das könnte ihn vielleicht nur auf Ideen bringen.<br>Als ich am nächsten Morgen um Punkt 10.30 Uhr das Paket an den Spediteur übergebe, kompensiere ich meinen neuen Anflug von Paranoia, der mich im Bruchteil einer Sekunde absolut davon überzeugt, dass er das Päckchen ohne entsprechende Hinweise sicherlich für eine Trainingseinheit im Diskusswerfen zweckentfremden wird, damit, dass ich ihn wild gestikulierend und mit hoffentlich mahnendem Gesichtsausdruck darüber aufkläre, dass sich in diesem Paket ein Instrument im Wert eines Kleinwagens befindet, das mit größter Vorsicht und Sorgfalt zu behandeln ist. Das hat ja beim letzten Mal schließlich auch so gut geklappt.<br><br>Die nächsten fünf Stunden sitze ich latent zitternd und mit angezogenen Knien auf dem Sofa. Der Fernseher läuft nur, um mein leises Wimmern zu übertönen. Ich starre lethargisch auf den Bildschirm meines Laptops, das Email-Programm geöffnet. „Ich melde mich, sobald deine Gitarre angekommen ist“, hat Mario in seiner letzten Email geschrieben. Okay. Ich warte. Ich versuche mich zu erinnern, wie lange wir in der Vergangenheit für die Fahrt ins Vogtland gebraucht haben. Drei Stunden? Vier? Ich überlege, wie viele zusätzliche Lieferungen wohl in dem Lieferwagen des netten Spediteurs noch Platz finden würden. Einige. Rein rechnerisch, also grob geschätzt, um wie viele Stunden verzögert sich durch diese zusätzlichen Abholungen und Auslieferungen seine Ankunftszeit in Markneukirchen? Meine Hände fangen an zu schwitzen. Der Sekundenzeiger an der kleinen Analoguhr auf dem Wohnzimmerschrank scheint eingefroren zu sein. Netflix fragt mich, ob ich die aktuelle Sendung noch weiterschauen möchte. Welche Sendung war das noch gleich?<br>Um 16.12 Uhr schließlich höre ich das ersehnte „Bing“ einer eingehenden Email. Nicht dass ich das in den vergangenen fünf Stunden nicht schon mehrfach gehört hätte. Doch Betreffzeilen wie „27 types of fermented, smoked, and spiced German sausages you need to try“ oder „Preis-Leistungs-Sieger: E-Scooter für 300 EUR!“ sind nicht wirklich das, worauf ich warte. Als ich nun aber lese: „Gitarre heil angekommen“ ist die Reaktion instantan. Und im Nachhinein bin ich froh, dass sämtliche Fenster geschlossen und die Vorhänge vorgezogen waren. Andernfalls hätte die Nachbarschaft vermutlich gerufen, was der Bayer im Allgemeinen den „Zeiserlwagen“ nennt. Doch in diesem Moment ist mir das völlig egal. Ich schreie erleichtert, ich singe, ich tanze, ich springe völlig bekloppt durch mein Wohnzimmer und komme nicht mal dann auf die Idee, dass ich gerade wahrscheinlich das perfekte Abbild eines völlig Irren gebe, als meine beiden Katzen mit aufgestellten Nackenhaaren und angstgeweiteten Kulleraugen Reißaus nehmen. Erleichterung nach stundenlanger Anspannung macht sowas mit Menschen. Zumindest mit mir. <br>Ich brauche geschlagene 40 Minuten, bis ich in der Lage bin, zurückzuschreiben. Marios Email informiert mich, dass er mein Instrument bereits ausgepackt hat und gleich morgen mit der Reparatur beginnen wird. Er will sich melden, sobald die Gitarre wieder auf dem Rückweg ist. Ich frage mich kurz, ob er mein Martyrium vielleicht schon eher beendet hätte, wenn er nicht eine halbe Ewigkeit zum Auspacken meiner paranoiden Bemühungen gebraucht hätte. Aber wirklich nur kurz. Danach kehrt das Hochgefühl ob der gelungenen Aktion „Gitarren-Übersendung unter erschwerten Bedingungen“ mit voller Wucht zurück und ich tanze noch ein wenig in den sinnbildlichen Sonnenuntergang. Danach informiere ich Netflix darüber, dass - nein - ich nicht weiterschauen will, sondern ich stattdessen bitte die letzten drei Episoden noch einmal ansehen möchte, da ich von ebendiesen leider so gar nichts mitgekriegt habe. Für einen Moment kommt mir der Gedanke, dass dieses positive Versanderlebnis vielleicht meine negative Prägung von 2000 gelöscht haben könnte. Ich höre kurz in mich hinein, versuche mir vorstellen, wie ich ein sorgsam eingepacktes Paket in der Größe eines Gitarrenkoffers an einen jungen Mann in einer Uniform von wenig schmeichelndem Braun übergebe und komme zu dem Schluss, dass - nein - hier gar nichts gelöscht ist, sollte der sich postwendend manifestierende eiskalte Schweißfilm auf meiner Stirn irgendwelche Rückschlüsse zulassen. Doch vielleicht hat diese Erfahrung zumindest ein klein wenig an der Generalisierung dieser Konditionierung gerüttelt. Nur vielleicht.<br><br>Ziemlich genau eine Woche später übergibt mir derselbe Spediteur mit freundlichem Grinsen ein großes Paket. Ein einziger Karton, groß genug für eine Gitarre, eine geradezu lächerlich geringe Menge an Klebeband an exakt einer einzigen Kante. Beim Öffnen erwartet mich mein Gitarrenkoffer ohne jede Ähnlichkeit zum Maskottchen eines bekannten Reifenherstellers und von einer ebenso lächerlichen Menge Packpapier umhüllt. Das Innere meines Gitarrenkoffers zeigt sich mir beim Öffnen bar jeder Spur von Luftpolsterfolie. Das Instrument selbst ist heil und unversehrt, und es riecht nach Schellack und altem Zedernholz. Für einen Moment versuche ich, mir Marios Gesichtsausdruck beim Auspacken meiner Variante einer stoß- und transportsicheren Gitarrenverpackung vorzustellen. Als ein Gefühl von überwältigender Peinlichkeit mir die Schamesröte ins Gesicht zu treiben beginnt, lenke ich meine Gedanken hin zu Katzenbabies. Das hilft. Danach atme ich zweimal tief durch und krame nach meinen Noten. Endlich. Zeit zum Üben!</div>]]></description>
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         <pubDate>2020-12-21 11:54:47 UTC</pubDate>
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         <title>Sie wissen schon, dass ich da nicht einsteigen kann?!</title>
         <author>ida_wolf</author>
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         <description><![CDATA[<div>Neulich im Supermarkt. Wie viele Geschichten beginnen wohl mit diesem Satz? Oder zumindest einem vergleichbaren? Viele, da würde ich wetten. Nachrichten, Sketchsendungen, Programme diverser Comedians - bei unzähligen Gelegenheiten habe ich schon eine wenigstens ähnliche Einleitung gehört. Und ganz ehrlich - rückblickend, wenn ich mich an diese Geschichte erinnere, muss ich sagen: Ich kam mir vor wie in einem Comedy-Programm. Versteckte Kamera. Irgendwas in der Art. Zumindest in diesem Moment. Aber ich greife der Geschichte vor.<br><br>Wählen wir also eine andere, durchaus gängige Einleitung: Es war ein Tag wie jeder andere. Doch nein, auch das kann ich so eigentlich nicht stehenlassen. Denn zur Zeit - oder zumindest zu dieser Zeit, am 09. April 2020, um ganz genau zu sein - ist tatsächlich kein Tag wie jeder andere. Es ist ein Tag inmitten der Corona-Krise. Der Morgen startet mit Gitarrenunterricht via Videokonferenz, ein Unterfangen, das ich tatsächlich nicht zum ersten Mal erledige, sondern welches nun bereits seit einigen Wochen etabliert ist. Leider nach wie vor alles andere als Routine und zum wiederholten Male ein Anlass für mich, meine versprochene 16 MBit Internetverbindung kritisch zu hinterfragen. Aber gut. Man gewöhnt sich ja bekanntlich an alles - auch an Gitarrenspiel bemühter Schüler, welches unvermittelt mit hängender Videoübertragung stoppt, nur um danach in dreifacher Geschwindigkeit die dadurch versäumten Töne eilig wieder aufzuholen. Was dann ein bisschen klingt wie Alvin und die Chipmuncs - zum Glück ohne Gesang. Dazu jede Menge Kaffee, ein Luxus, der mit dem Onlineunterricht praktisch nahtlos einhergeht und der einzige Lichtblick in dieser absolut skurrilen Gesamtsituation - mit der ich im Übrigen, nur so für’s Protokoll, unzufrieden bin. Aber gut. Was soll’s.<br>Besagter Onlineunterricht zieht sich bis weit in den Nachmittag, geht von Videokonferenzen schließlich in per Email verschickte und mühselig eben dafür aufbereitete Arbeitsaufträge über. Unterrichtsscriptä, die in der Vergangenheit aus gerade einmal zwei DIN A4 Seiten bestanden, wollen nun umgearbeitet werden, damit auch ja alles, was ich bis dato eigentlich immer wild fuchtelnd und gestikulierend im neuerdings sogenannten „Präsenzunterricht“ meinen Schülern direkt und persönlich, quasi in Wort und Bild, erklärt habe, im Fließtext steht und damit hoffentlich eine gewisse Verständlichkeit erreicht, die meiner Erklärungen in persona nicht mehr bedarf. Durch den Umstand blasen sich diese Arbeitsblätter nun im Schnitt auf eine stolze Länge von acht Seiten auf und beim ersten Sendeversuch verfluche ich erneut einen der größten Internetanbieter Deutschlands, weil das bei dieser Uploadgeschwindigkeit nie und nimmer die angeblich so leistungsstarke DSL-Verbindung sein kann, für die ich jeden Monat brav bezahle. Aber gut. Was soll’s. Man lernt ja, zu akzeptieren. Die Welt lebt im Chaos, und das Internet kann ja schließlich nichts dafür, dass sämtliche Schüler der Nation plötzlich im Netz anstatt in der Schule rumhängen. Da kann man schon mal in die Knie gehen.<br><br>Nachdem also die noch etwas ungewohnte Online-Unterrichtsarbeit erledigt ist und ein Blick in den Kühlschrank gähnende Leere offenbart hat, treffe ich eine bisher stets erschreckend unspektakuläre Entscheidung: Ich gehe einkaufen. In den Supermarkt. Milch, Brot, Käse, Katzenfutter - das Übliche eben. Ich krame also meinen Einkaufskorb hervor - den kleinen, denn soviel brauche ich ja nicht -, stelle nochmal sicher, dass auch genug Bares im Geldbeutel ist und ich diesen auch wirklich dabei habe - keine Selbstverständlichkeit, wie ich aus peinlicher Erfahrung berichten kann - und mache mich auf den Weg. Auf halbem Weg zwischen meiner Haustür und der Garage fällt mir ein: Moment! Da war ja was!<br>Also Kommando zurück und wieder in die Wohnung. Denn ja, es ist Coronazeit. Und da geht man nicht nur für sich selbst einkaufen. Schließlich ist mein Vater Risikopatient und deshalb erledige ich jetzt die Einkäufe meiner Eltern mit. Das wäre zwar eigentlich erst am Donnerstag wieder fällig, aber gut, wo ich nun eh schon fahre, kann ich ja auch nochmal nachfragen, ob sie auch was brauchen. Und da ich meine Mutter kenne, hole ich schon mal den zweiten Einkaufskorb, während ich sie anrufe. Es klingelt dreimal, dann hebt sie ab. „Hallo Mama, ich fahr schnell einkaufen. Braucht ihr was? Soll ich was mitbringen?“, frage ich als pflichtbewusste und liebende Tochter. „Ach, des is ja gut, ja so bissl was brauch i scho“, höre ich die harmlose Antwort am anderen Ende, bevor es losgeht. Schnell wird mir klar, dass ich plötzlich ganz dringenden Bedarf an Papier und Bleistift habe. Weil ich mir das niemals alles merken kann. Letztlich schickt sie mir Bilder, die sie aus den Werbeprospekten des Supermarkts unseres Vertrauens abfotografiert hat, damit ich auch sicher weiß, was sie haben möchte. Von einer Sekunde zur anderen habe ich 12 neue WhatsApp-Nachrichten. Mit Bildern von Butter, Joghurt, Weintrauben und anderen dringend überlebenswichtigen Lebensmitteln und Drogerieartikeln. Aha. Dass Bananen im Angebot sind, wusste ich vorher nicht. Gut zu wissen, wo ich da nun eh schon welche mitnehmen soll, kann ich für mich vielleicht auch ein oder zwei ergattern. Hinzu kommt eine Einkaufsliste für die Metzgerei ihres Vertrauens. Okay. „Aber ziehst fei scho Handschuh an, oder?“, höre ich da plötzlich durch den Hörer. Huh? Handschuhe? Im April? Bei 20 Grad? Wieso? Wofür? „Ja, damit’s d’halt den Einkaufswagen ned anlangen brauchst“, werde ich aufgeklärt. Ach so. Einmalgummihandschuhe. Aha. Okay. Ja gut, mir wird auf mir im Nachhinein tatsächlich schleierhafte Art und Weise das Versprechen abgerungen, nicht ohne Einmalhandschuhe in den Supermarkt aufzubrechen, obwohl ich das die letzten Male auch wunderbar überlebt habe, und so hänge ich fünf Minuten später mit dem Kopf unter der Spüle in der Küche, auf der Suche nach eben diesen Einmalhandschuhen in schwarz, Größe M, von denen ich sicher weiß, dass ich mindestens zwei Päckchen gekauft habe. Vor zwei Jahren. Weiß der Geier wo die sind, aber der Schrank unter der Spüle scheint mir die naheliegendste Aufenthaltsmöglichkeit. Es dauert eine Weile. Es verursacht ein kaum mehr zu überblickendes Chaos in der Küche, aber nachdem ich den ganzen Schrank ausgeräumt habe, halte ich tatsächlich eine Packung schwarzer Latexhandschuhe in Händen. Ich nehme mir also ein Paar raus, schnappe mir den zweiten Einkaufskorb, ignoriere für den Moment das Chaos auf dem Küchenboden und starte das Unternehmen Supermarkt von neuem. Diesmal komme ich bis zum Auto. Dann klingelt mein Handy. „Bist du scho unterwegs?“ Nein. Aus Gründen, die ich beschließe meiner Mutter zu diesem spezifischen Zeitpunkt nicht näher zu erläutern. „Des is gut, kannst du dann vielleicht no an Bund Radieserl mitnehmen?“ Ja, ich denke das kann ich. Sofern ich es nicht vergesse. Ich will gerade auflegen, da höre ich am anderen Ende: „Hast aber scho a Desinfektionsmittel dabei, oder?“ Nein. Die nächsten fünf Minuten wird mir in aller Ausführlichkeit die Wichtigkeit eines Desinfektionsmittels bei Corona-Einkäufen erläutert und ich kehre ein weiteres Mal um. Die Nachbarn sehen mich komisch an. Verständlich. Ich würde mich in diesem Moment auch komisch ankucken. Wenigstens muss ich diesmal nicht suchen, denn ich weiß genau wo mein Desinfektionsmittel steht. Im Badezimmer, Apothekenschrank. Haut- und Wunddesinfektionsspray. Jeder Katzenbesitzer sollte eins haben. Oder eine Klippzange zum Schneiden viel zu scharfer Katzenkrallen. So macht das eine sehr gute Freundin von mir. Sie schneidet ihren Katzen die Krallen, Problem gelöst. Ich bin dazu viel zu sehr Schißer, also habe ich ein Haut- und Wunddesinfektionsmittel im Badezimmerschrank und eine zerfetzte Couch. Aber gut. Was soll’s. Ich bin nun jedenfalls bestens für den Kampf gegen das in gemeinen Supermärkten lauernde Coronavirus gerüstet und schaffe diesmal auch tatsächlich ohne weitere Unterbrechungen den ganzen Weg bis zu meinem Auto. Als ich einsteige wird mir klar: Mein Hirn arbeitet heute nur Teilzeit. Denn - Corona-Einkauf bedeutet auch, ohne Mundschutz kein Reinkommen. Also steige ich wieder aus, laufe zurück zu meiner Wohnung, ignoriere das fragende Kopfschütteln meiner Nachbarn und hole das verhasste Accessoire. Das winzige Stück Stoff in Händen haltend stehe ich geschlagene fünf Minuten im Flur meiner Wohnung und überlege fieberhaft, ob ich nun auch wirklich alles habe. Denn sollte ich tatsächlich nochmal an meinen Nachbarn vorbeilaufen müssen auf der Suche nach irgendetwas, das ich doch noch vergessen habe, bin ich mir sicher, dass sie die Herren in den weißen Turnschuhen mit der Hab-mich-lieb-Jacke anrufen.&nbsp;<br>Etwa 10 Minuten später sitze ich im Auto auf dem Weg zum heimischen Supermarkt. Bereits bei Einfahrt in den Parkplatz stelle ich fest - hier ist die Hölle los! Und ich meine das ausnahmsweise nicht sarkastisch. Der Parkplatz ist brechend voll, Einkaufswägen sind scheinbar kaum noch verfügbar und ich schnappe mir die erste freie Parklücke, die ich finden kann. Sie ist eng. Nicht, weil das so vorgesehen wäre, sondern weil sie direkt rechts des Einkaufswagen-Häuschens liegt und der Fahrer des Wagens zur Rechten offenbar nicht weiß, wie man einparkt. Es ist ein weißer Opel Corsa, ein Kleinwagen. Er steht mit den linken Reifen etwa drei Zentimeter über der Linie in den Parkplatz meiner Wahl hinein und hat dafür rechterhand gefühlt etwa zwei Meter Platz zur nächsten Lücke. In mir steigt der Verdacht auf, dass wer immer der Besitzer dieses Fahrzeugs ist gehofft hat, es würde in die Lücke auf seiner respektiven Fahrerseite niemand einparken. Nun hat der gute Mensch aber offensichtlich weder mit mir, noch mit all den anderen einkaufenden Menschen hier gerechnet, denn es gelingt mir trotz aller Platznot aus Mangel an Alternativen formidabel in dieses winzige Exemplar einer Parklücke hineinzumanövrieren. Zugegeben, das Aussteigen erfordert akrobatische Höchstleistungen. Ich bin zum wiederholten Male froh über die Schiebetüren meines geliebten Caddy, die es mir erlauben ohne weitere Verrenkungen meine beiden Einkaufskörbe vom Rücksitz zu nehmen. Ich schließe die Tür mit allem gebotenen Elan, drehe mich gerade in Richtung der Einkaufswägen in der Hoffnung, noch einen zu ergattern, da höre ich eine schrille Frauenstimme: „Sie wissen aber schon, dass ich da nicht einsteigen kann?!“ Huh?<br>Ich drehe mich um. Am Kofferraum des Opel Corsa steht eine ältere Dame mit Einkaufstüte und blickt mich vorwurfsvoll an. Ich blicke zurück. Ich werfe einen fragenden Blick auf den halben Meter zwischen meinem und ihrem Fahrzeug. Nun muss ich vielleicht erwähnen, dass meine soeben noch in vollendeter Eleganz - und ja, der Sarkasmus ist zurück - vollführte akrobatische Höchstleistung nicht nötig gewesen wäre, wäre ich nicht tunlichst bemüht gewesen, exakt mittig in meine Parklücke zu zielen, um dem Fahrer - oder Fahrerin, wie sich ja nun aufgeklärt hat - den größtmöglichen Raum zum Wiedereinstieg in ihr Gefährt zu garantieren. Ohne mich selbst praktisch in meinem eigenen fahrbaren Untersatz effektiv einzusperren. Ganz ehrlich - ich habe es geschafft, mich mit geschätzten 40 Zentimetern verbliebenem Raum aus meinem Auto zu schälen. Ihr stehen 50 Zentimeter zur Verfügung. Wo ist das Problem?<br>Sie starrt mich an, wie Lee Van Cleef Clint Eastwood in „Zwei glorreiche Halunken“, und aus irgendeinem Grund erwarte ich plötzlich, die Klänge von Ennio Morricones „The Ecstasy Of Gold“ über den Friedhof - mein Fehler - den Parkplatz wehen zu hören. Das ist mein „Versteckte Kamera“-Moment. Ist das ihr Ernst? Gibt sie mir die Schuld, dass sie nicht einparken kann? Ich sehe das häufig. Menschen, die nicht einparken können, meine ich. Ich parke in der Regel im Münster-Parkhaus in Ingolstadt, wo die ausgewiesen Parkplätze zugegeben erschreckend viel kleiner sind, als auf der asphaltierten Fläche vor meinem Stammsupermarkt. Rund vierzig Prozent der Fahrer der dort geparkten Autos scheinen dem Wahn erlegen zu sein, dass ein Fahrzeug das Recht hat, zwei Parklücken zu okkupieren. Manche glauben sogar, sie bräuchten drei. Kein Witz. Aber alle diese Autos haben eines gemeinsam: Sie stehen mehr oder weniger weit über die rechte Linie der Parkbuchtbegrenzung hinaus. Was Sinn macht. Auf diese Art ist - sofern alle anderen nicht auch mit dieser Taktik parken - gewährleistet, dass der Fahrer des PKWs problemlos und mit maximalem zur Verfügung stehendem Raum ein- und aussteigen kann. Nachvollziehbare Denkweise. Rücksichtslos - aber nachvollziehbar. Diese Dame stellt sich drei Zentimeter über die linke, also die fahrerseitige, Linie ihres erwählten Parkplatzes und besitzt dann doch tatsächlich die Dreistigkeit, sich bei mir, die ich beim Entsteigen meines Fahrzeugs zirkusreife Leistungen an den Tag legen musste, nur um ihr die luxuriöse Breite von 50 Zentimetern Platz zum Ein- und Aussteigen zu lassen, obwohl sie sich selbigen in keinster Weise verdient hat, zu beschweren. Ja, wo sind wir denn hier? Sie könnte es ja wenigstens erstmal versuchen, bevor sie hier wahnwitzige Anschuldigungen vom Stapel lässt! Aber gut. Was soll’s.<br>Ich begegne ihrem Blick also ebenso unverfroren und entgegne emotionslos: „Vielleicht hätten sie sich in ihren Parkplatz stellen sollen, nicht daneben.“ Damit schließe ich mein Auto auf, stelle die beiden Einkaufskörbe auf den Rücksitz zurück, lege erneut eine überaus missglückte Impression eines Schlangenmenschen auf’s Tapet und setze rückwärts aus meiner geliebten Parklücke. Sie würdigt mich keines Blickes, während sie in rekordverdächtiger Geschwindigkeit - wir erinnern uns an den vor kurzem zurückgekehrten Sarkasmus - in ihr Matchbox-Modell einsteigt. Das Fehlen einer dankbaren Geste ihrerseits veranlasst mich dazu, aus reiner Böswilligkeit exakt in dem Moment in meine Parklücke zurück zu rauschen, in dem sie ihre Autotür schließt. Ihr erschrockenes Zusammenzucken gepaart mit einer spontanen Gesichtsentgleisung ist eine wahre Genugtuung. Die Tatsache, dass ich in dem Augenblick feststelle, dass ich ohnehin nochmal ins Auto gemusst hätte, da ich sowohl Mundschutz als auch die extra freigelegten Gummihandschuhe dort vergessen hatte, beschließe ich zu ignorieren.<br><br>Während sich Miss Corsa langsam von dannen macht, ziehe ich also besagte Gummihandschuhe über, bringe meinen Mundschutz in Position, schäle mich erneut aus meinem Auto und mache mich bewaffnet mit zwei Körben auf den Weg zu den Einkaufswägen. Der Rest des Einkaufs verläuft relativ ereignislos. Ich schlängle mich durch die Gänge des Supermarkts, beobachte mich dabei, wie ich dank des schwarzen Latex an meinen Händen völlig bedenkenlos die verschiedensten Artikel in meine Körbe lade - sauber getrennt nach meinen und den elterlichen Besorgungen - und mache mich auf den Weg zur Kasse. Nach erfolgtem Bezahlvorgang bringe ich den Einkaufswagen zurück und wuchte meine beiden Einkaufskörbe aus selbigem. Nicht zum ersten Mal bin ich froh, seit dem Erwerb eines neuen Autos vor zwei Jahren auch den Luxus einer Zentralverriegelung auf Knopfdruck genießen zu dürfen. Ich stelle beide Körbe in den vermaledeiten 40 Zentimetern ab, greife beherzt an den Türgriff und öffne die hintere Schiebetür. Ich wuchte die Körbe ins Auto, werfe die Tür mit Schwung wieder zu und werfe einen Blick auf meine behandschuhten Hände. Richtig. Handschuhe ausziehen.<br>Ein Blick über den Parkplatz offenbart einen Mülleimer etwa zehn Meter entfernt. Ich schließe also mein Auto ab, begebe mich dorthin und stülpe pflichtschuldigst, wie einem das in all den Hygienepamphleten ob Corona beigebracht wurde, einen über den anderen, ohne jemals die Außenseite der Handschuhe anzufassen. Für einen Moment genieße ich das Gefühl, dass sich meine Handflächen ausnahmsweise nach einem Corona-Einkauf nicht anfühlen, wie die letzte Virenschleuder. Ich bin quasi keimfrei! Das muss ich meiner Mutter lassen, manchmal hat sie tatsächlich auch gute Ideen.<br>Ich gehe also freudestrahlend zurück zu meinem Auto und will eben auf den Schlüsselknopf meiner heißgeliebten Zentralverriegelung drücken, da fällt es mir plötzlich wie Schuppen von den Augen. Moment. Hab ich da nicht vorher mit behandschuhten Händen schon mal draufgedrückt? Mit eben jenen behandschuhten Händen, mit denen ich beim heutigen Einkauf so bedenkenlos alles angefasst habe, was nicht niet- und nagelfest war? Ich verfalle in Schockstarre. Vor meinem geistigen Auge wiederholt sich der gesamte Einkaufsvorgang. Autotürgriffe, Einkaufswagen, die Griffe der Einkaufskörbe, jedes einzelne Produkt in ebendiesen, mein Geldbeutel, die Verschlusslasche meiner Handtasche, das Päckchen Tempotaschentücher, das drohte beim Entnehmen des Geldbeutels herauszufallen… Alles! Ich habe buchstäblich alles mit diesen virenverseuchten Handschuhen angefasst! Ich werfe einen Blick durch das Fahrerfenster. Auf dem Beifahrersitz liegt unschuldig eine kleine Sprühflasche Haut- und Wunddesinfektionsmittel und ich erkenne mit einem zunehmenden Anflug von Panik, dass der Inhalt derselben nie und nimmer ausreichen wird, um das alles von potenziellen Keimen zu befreien. Ich stehe fassungslos da, ungezählte Minuten lang. Menschen, die ihre Einkaufswägen zurückbringen, sehen mich mit gerunzelter Stirn an. Ich breche in kalten Schweiß aus, meine Hände beginnen kaum merklich zu zittern. Ich versuche, dreimal tief durchzuatmen. Das hilft. Ich versuche, unter dem Chaos aus Paranoia, Angst und Panik einen letzten Rest Rationalität ausfindig zu machen.&nbsp;<br>Schließlich werde ich der seltsamen Blicke um mich herum gewahr und beschließe, mein kleines persönliches Drama im Innern meines Autos weiterzuleben. Als ich immer noch zitternd in den Fahrersitz sinke, beobachtet der winzige verbliebene rationale Teil meines Verstandes den völlig durchgedrehten Rest desselben dabei, wie er in die erste Phase der Trauer eintritt: Leugnen. Das kann nicht sein. Sicher überlebt ja dieses Corona-Dings auf Oberflächen nur kurze Zeit und wahrscheinlich ist diese ganze Hysterie ohnehin nur genau das: Hysterie - versuche ich mir einzureden. Ich versuche, mir das einzureden. Mit wenig Erfolg. Ich habe ausgemachten Unsinn noch nie geglaubt. Nicht einmal mir selbst.&nbsp;<br>Und so schwingt meine aufgewühlte Psyche etwa bei Verlassen des Supermarkt-Parkplatzes von Phase 1 in Phase 2: Zorn. Nur wegen dieser blöden Gummihandschuhe! Seit Wochen gehe ich einkaufen, trotz Corona, und nie habe ich Gummihandschuhe gebraucht. Ohne diese dummen Dinger hätte ich nie und nimmer so sorglos alles angetatscht! Wie konnte ich mich nur dazu überreden lassen?! Und was hab ich jetzt davon? Virenverseuchte Einkäufe und ein Chaos in der Küche! Ich dresche mit erstaunlicher Gewalt auf mein Lenkrad ein und hätte dabei fast die Fahrspur aus den Augen verloren.&nbsp;<br>Als ich in die Hauptstraße einbiege, beginne ich mit Phase 3: Verhandeln. Vielleicht ist ja alles gar nicht so schlimm. Wenn ich auf dem Heimweg kurz durch die Waschanlage fahre wegen der Türgriffe, meinen Schlüsselbund mit Desinfektionsmittel einsprühe und die Einkäufe zuhause soweit möglich mit heißem Wasser und Seife abspüle, dann reduziert sich die Anzahl der Viren sicherlich auf 50%. Und 50% sind ja schon mal besser, als 100%. Bei einer 50/50-Chance werde ich dann schon nicht gleich die ansteckenden 50% erwischen, oder?<br>Kurz vor dem Parkplatz der Metzgerei schlägt meine Stimmung dann schlagartig in Phase 4 um: Depression. Es hat ja schließlich ohnehin alles keinen Zweck. Dieses vermaledeite Virus lauert doch sowieso überall und irgendwann werden wir uns unweigerlich alle damit anstecken. Also was soll’s. Das Leben ist schön, solange es dauert. Woran man eingeht spielt doch letztlich eh keine Rolle.<br>Mit einer imaginären dunklen Wolke über meinem Kopf schwebend betrete ich die Metzgerei. Die Kundschaft steht pflichtschuldigst je zwei Meter voneinander entfernt und ich muss beinahe lachen. Hat doch eh keinen Zweck. Drückt euch, knutscht euch, zwängt euch aneinander vorbei - am Ende werdet ihr das Unvermeidliche eh nicht aufhalten können. Genießt das Leben, solange ihr noch könnt. Ich krame meine Einkaufsliste - oder vielmehr die meiner Mutter - hervor und studiere sie. „Eine Scheibe Osterschinken“ steht da. Jetzt muss ich wirklich kurz lachen. Gott hat nichts damit zu tun. Als ich schließlich an der Reihe bin, lese ich der jungen Metzgereifachverkäuferin mit tonloser Stimme die Bestellung meiner Mutter vor und beobachte sie dabei, wie sie - sehr hygienebedacht mit knallblauen Latexhandschuhen - Wurstscheibe um Wurstscheibe auf Wachspapier legt, sorgsam abwiegt und verpackt. Wenigstens etwas, denke ich so. Wenigstens werden meine Eltern nicht an keimverseuchter Wurst sterben, denn hier nimmt man Hygiene offenbar ernst. Ich gehe rüber zur Kasse, krame nach meinem Geldbeutel und lege ihr, nachdem sie mir mit freundlichem Lächeln mitteilt: „16,47€ bitte“ einen 20-Euro-Schein auf die Theke. Als die selbe junge Metzgereifachverkäuferin mir schließlich mit den selben blaubehandschuhten Händen mein Wechselgeld überreicht, passieren zwei Dinge auf einmal: Ich verliere instantan jeden Glauben daran, dass der Mensch tatsächlich die intelligenteste Spezies auf unserem kleinen blauen Planeten sein soll. Und ich rutsche mit einer beinahe kathartischen Schlagartigkeit in Phase 5: Akzeptanz.<br>Auf dem Weg zurück zum Auto atme ich deutlich ruhiger. Mir ist klargeworden, dass ich manche Dinge einfach nicht ändern kann. Dass sich den Kopf über ebendiese Dinge zu zerbrechen einen letzten Endes nur in eine Schockstarre verfallen lässt, die einen daran hindert die Dinge zu genießen, die man ändern kann oder die auch ohne jede Änderung bereits perfekt sind wie sie sind. Kurz um - das Leben ist zu kurz, um sich Gedanken über schwarze Einmalhandschuhe und Desinfektionsmittel zu machen. Es gibt ein japanisches Sprichwort, das ich sehr liebe:<br>„Es bringt nichts, sich über verschüttete Milch zu ärgern.“ Davon geht sie schließlich nicht zurück ins Glas.<br>Und so fahre ich denn zu meinen Eltern, gebe die Einkäufe ab und beantworte die Frage meiner Mutter, ob ich denn auch den Einkaufswagen desinfiziert und Gummihandschuhe getragen hätte pflichtschuldigst mit „Ja“. Zuhause in meiner Wohnung angekommen überlege ich auf dem Weg in die Küche kurz, ob ich nun meine Einkäufe vor dem Verräumen desinfizieren soll oder nicht. Dann öffne ich die Küchentür und mich trifft fast der Schlag, als ich das ganze Ausmaß des Chaos auf dem Fussboden sehe. Und in diesem Moment beantwortet sich die Frage betreffend irgendwelche Hygienemaßnahmen wie von selbst, denn: Ich habe gerade wirklich andere Sorgen!</div>]]></description>
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         <pubDate>2020-12-21 11:54:47 UTC</pubDate>
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         <title>A Locked Down Christmas</title>
         <author>ida_wolf</author>
         <link>https://padlet.com/ida_wolf/creativewriting/wish/1035782599</link>
         <description><![CDATA[<div>Die "staade Zeit"... Seit Jahren frage ich mich jedes Jahr ab Mitte November, was zum Teufel das denn nun eigentlich sein soll. Die Adventszeit? Die Wochen vor und um Weihnachten herum? Ja. Genau. "Staad"! Diese Zeit ist alles, nur das nicht! Stress pur in der Regel!<br>Da hetzt man durch Einkaufszentren zusammen mit tausenden anderen Christmas-Shoppern, verzweifelt auf der Suche nach dem perfekten Weihnachtsgeschenk für die liebe Tante Ruth, die man zwar seit Jahren nicht mehr gesprochen, geschweige denn gesehen hat, aber man schickt ihr schließlich jedes Jahr ein Päckchen, also macht man das auch dieses Jahr. Keine Ahnung, was sie sich wünscht, aber bei der brüllend-bunten Weihnachtsauslage in den bis zum Bersten mit Glitter und funkelnden Lichtern geschmückten Geschäften wird einem schon irgendwann die zündende Idee kommen. Und falls nicht, ja dann gibt's halt wieder das Paar Socken und das Päckchen losen Früchtetee - komplett mit Kandiszucker am Stil. Sieht hübsch aus, zum Verzehr geeignet. Und Socken kann man schließlich immer gebrauchen.</div><div>Menschen drängeln sich dicht an dicht, "Last Christmas" dröhnt aus sämtlichen Lautsprechern, bis einem das Trommelfell blutet, das Nervenkostüm wird auf Spinnenfadendicke heruntergeschmirgelt. Und während der ganzen Jagd nach Weihnachtsgeschenken raucht einem schon der Kopf, was man denn zuhause in den noch so gar nicht weihnachtlichen vier Wänden noch alles zu tun hat. Lämpchen wollen aufgehängt, Plätzchen gebacken und die Weihnachtsdeko aus dem Keller geholt werden. Ein Großputz, bevor die liebe Verwandschaft am zweiten Weihnachtsfeiertag eintrudelt, will freilich auch noch irgendwo in dem Trubel dazwischengepresst werden. Das Ganze, während man praktisch bis einschließlich 23. Dezember noch jeden Tag im Job weihnachtliche Stimmung und festliche Gelassenheit suggerieren soll. "Staade Zeit" - von wegen!</div><div>Doch in diesem Jahr ist alles anders. Wir schreiben das Jahr 2020, und nichts ist wie es war. Ein Wort, das man bisher nur aus Science Fiction Filmen kannte ist plötzlich erschreckende Realität geworden. Pandemie. Die große Corona-Seuche sucht die Menschheit heim, und - ganz ehrlich? - die Realität hat so wenig mit den Filmen zu tun, wie man nur meinen könnte. Keine panisch fliehenden Menschen, die Hotspot-Städte in Scharen verlassen, keine plündernden Horden in Supermärkten. Gut, es gab da im Frühjahr mal ein kleines Klopapier-Problem, aber letztlich hat die Menschheit getan, was sie am besten kann: Sie hat sich angepasst, soweit sie konnte, und den Rest einfach ignoriert. Mund-Nasen-Schutz am Arbeitsplatz, das permanente Damoklesschwert eines Total-Lockdowns über den Köpfen schwebend - Normalzustand. Und Weihnachten? Weihnachten wird in diesem besonderen Jahr auch eine ganz besondere Angelegenheit. Keine großen Treffen mit der Verwandschaft, nein, feiern im engsten Kreis lautet die Devise. Panische Weihnachtseinkäufe? Nein, in diesem Jahr bestellt man online - denn der Einzelhandel ist ohnehin geschlossen. Eine Reservierung auf den letzten Drücker im ohnehin ständig ausgebuchten Lieblingsrestaurant für den ersten Weihnachtsfeiertag? Nein, denn - Sie ahnen es - die Gastronomie ist schon seit November dicht. Plätzchen backen bis kurz vor knapp? Ach was! Längst erledigt! Schließlich arbeitet man schon seit Wochen im Home Office, um die Kurve möglichst flach zu halten. Und so ist also vier Tage vor Weihnachten der Christbaum aufgestellt und geschmückt, die Plätzchen schon seit Ende November gebacken, die Geschenke sind eingepackt und verschickt, wo nötig, und die Wohnung auf Hochglanz poliert. Im Wohnzimmer brennt der Kamin, auf dem Tisch steht eine heiße Tasse Tee, ein bunt gefüllter Plätzchenteller, jeder Raum strahlt in weihnachtlichem Glanz und aus den Lautsprechern erklingen weihnachtliche Klänge. Und das ist die eigentliche Ironie an der Geschichte: Dass es erst eine Katastrophe pandemischen Ausmaßes braucht, welche die Menschheit an den Rand des Chaos treibt, damit die Zeit vor und um Weihnachten wieder zu dem wird, was sie in alten Zeiten einmal war: eine Zeit der Besinnung, des Rückblickens und Resümierens, der Ruhe und familiärer Geborgenheit. Die "staade Zeit" eben.</div>]]></description>
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         <pubDate>2020-12-21 11:54:47 UTC</pubDate>
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         <title>Einschlägige Erfahrung mit einer Service-Hotline</title>
         <author>ida_wolf</author>
         <link>https://padlet.com/ida_wolf/creativewriting/wish/1189334765</link>
         <description><![CDATA[<div>Kennen Sie das? Man hat vor kurzem ein neues technisches Gerät erworben, baut voller Vorfreude alles auf, richtet ein, installiert - nur um festzustellen, dass die Kiste in irgendeinem Punkt nicht so funktioniert, wie sie laut zuvor sorgsam konsultierter Produktbeschreibung funktionieren sollte. In meinem Fall handelte es sich bei besagter Kiste um einen neuen Fernseher, seines Zeichens ein „Smart TV“. Von Samsung. Tolles Design, riesig groß, gigantische Bildauflösung. Ziemlich gut zu bewerkstelligende Wandmontage, zumindest Dank fachmännischer Unterstützung meines Vaters. Und funktioniert einwandfrei. Dachte ich. Bis ich - eingefleischte Pay TV-Anhängerin und eigentlich selten in der Versuchung, mich der Öffentlich-Rechtlichen zu bedienen -&nbsp; doch tatsächlich in die Bredouille kam, ARD sehen zu wollen. Man will ja schließlich auf dem Laufenden bleiben in Zeiten der Corona-Krise.<br>Ich schalte also ganz unbedarft heute Morgen meinen tollen neuen Fernseher ein und mache mich auf die Suche nach dem Ersten Deutschen Fernsehen. Ich finde die Mediathek, kein Problem. Doch Moment, eigentlich will ich ja das laufende Programm sehen. Nur finde ich das nicht. Nirgends. Seltsam…<br>Also mal die Senderliste konsultiert. Da finde ich dann so ominöse Sender wie Algier TV und Rakuten. Aha. Nie gehört. Und definitiv nicht das, was ich suche. Und nachdem die da alle englisch sprechen, wage ich zu bezweifeln, dass ich mir auf diesem Kanal die erwartete Pressekonferenz mit Angela Merkel ansehen kann. Also mal ins Menü geklickt und nach dem Kabelanschluss gesucht. Der ist als einziger dann grau hinterlegt und lässt sich nicht anklicken, was mir unmissverständlich zu verstehen gibt, dass mein Fernseher noch nicht weiß, dass ich vor nicht allzu langer Zeit ein Antennenkabel praktisch rektal in ihn eingeführt habe. Gut, leisten wir Überzeugungsarbeit: Stecker raus, Stecker rein - hilft ja meistens. Nichts tut sich. Grau bleibt grau und im Fernseher wird weiterhin fröhlich in englischer Sprache von einem Haartrockner erzählt, der Locken macht. Hm.<br>Nach kurzer Denkpause konsultiere ich also die moderne Quelle aller Weisheit: Das Internet. Eine 30-minütige Suche fördert eine Bedienungsanleitung für mein TV-Gerät ans Licht, die mir sagt, dass ich einen Sendersuchlauf starten muss. Dazu muss ich ins Sender-Menü. Das ist ja aber immer noch wunderschön grau. Doof das. Also weiter im Text und die Suche verfeinert. Ich habe nämlich Kabel und damit eine kleine Plastikkarte in einem Metallkästchen, für das mein Fernseher wiederum einen Adapter hat, mittels diesem ich selbiges dann wiederum an der Rückseite des Geräts einführen kann. Soweit war ich beim Aufbau im Dezember schon. Also hinter den Fernseher gekrochen, alles nochmal überprüft. Steckt. Sollte also eigentlich funktionieren. Wieso tut es das also nicht?! Inzwischen kann ich praktisch spüren, wie sich mein Nervenkostüm zusehends ausdünnt. Aber gut, nicht verzagen, Google fragen. Gesagt, getan. Ich gebe also meine Suchbegriffe ein und lande auf Seiten, die mir erzählen, dass ich meine „Smart Card“ in das „CI+ Modul“ einstecken soll, dann ebendieses in den „CI+ Adapter Slot“ einrasten muss, um besagten Adapter dann in den „CI+ Anschluss“ einzuklinken. Dachte, das hätte ich gemacht, aber gut. Überprüfen wir eben alles nochmal. Also wieder hinter den Fernseher geschlängelt, Adapter raus, Modul raus, Karte raus, Karte rein, Modul rein, Adapter rein. Bei der ganzen Aktion schneide ich mir die rechte Daumenkuppe auf, weil die Kante des ominösen „CI+ Moduls“ erstaunlich scharf ist, und während ich mit Pflastern kämpfe und mein Blut aufs Parkett tropft, lasse ich mir auch gleich noch eine Tasse Kaffee aus der Kapselmaschine - schließlich entwickelt mein Nervenkostüm mittlerweile transparente Züge. Und da hilft Koffein ungemein. Zumindest bei mir.<br>Also mit einer frischen Tasse Kaffee wieder an den Laptop gesetzt und weiter die Anweisungen studiert. „Drücken Sie nun auf Ihrer Smart Remote die Taste CHLIST und wählen Sie einen verschlüsselten Kanal aus.“ Aha. Ich habe eine Fernbedienung. EINE Fernbedienung. Die kam mit dem Fernseher. Ich nehme also an, das ist die sogenannte Smart Remote. Interessant. Wieder was gelernt. Ich nenne das Ding einfach Fernbedienung, aber gut. Sie tut, was sie soll, egal wie sie heißt. Von mir aus heißt sie auch Erna, solange sie ein- und aus- und umschaltet, und im Idealfall auch noch die Lautstärke regeln kann. Ich greife mir also Erna - Entschuldigung, die Smart Remote - und suche die CHLIST-Taste. Erna hat genau zehn Knöpfe, zwei Kippschalter und einen Kreis in der Mitte. Auf nichts davon steht CHLIST. Also nochmal gegoogelt, diesmal nach der „Smart Remote“ alias Erna. Ich werde fündig und beglotze die nächsten 15 Minuten ein Video, das mir erklärt, dass der Einschaltknopf den Fernseher ein- und ausschaltet, und dass man mit „Volume“ die Lautstärke regeln kann. Mach Sachen. Gibt es da draußen echt Leute, denen man das erklären muss? Aber gut. Von CHLIST ist jedenfalls nicht die Rede. Weitere 20 Minuten Internet-Recherche bringen mich schließlich zu der Erkenntnis, dass meine Erna so eine Taste schlicht nicht besitzt und eine grauenhafte Vorahnung beginnt in meiner Magengegend zu keimen. Kurz höre ich eine geisterhafte Stimme in meinem Hinterkopf unheilschwanger die Wörter „Service“ und „Hotline“ raunzen. Es schüttelt mich kurz, ein Frösteln geht durch den Raum, dann nehme ich einen tiefen Schluck aus der inzwischen kalten Kaffeetasse und suche weiter. Das Internet hat ja bekanntlich auf alles eine Antwort, also doch wohl hoffentlich auch auf meine Frage.<br>Eine weitere verzweifelte halbe Stunde später habe ich zwei neue Erkenntnisse gewonnen: Erstens - ich bin nicht die Einzige mit Problemen. Zweitens - die Probleme der anderen sind offensichtlich größer als meine. Denn ich finde Fragen von verzweifelten Nutzern, die zum Beispiel lauten: „Warum erkennt mein Samsung TV mein CI+ Modul nicht?“. Ich freue mich, als ich diese Frage lese, denn offenbar ist das Problem weithin bekannt, und damit gibt es ja wohl sicherlich auch eine Lösung. Also die Antwort voller Erwartung gelesen. Sie besteht aus einer Gegenfrage: „Hast Du die Karte richtig herum eingesteckt, also mit Chip weg von der Schrift“, woraufhin prompt die für mich recht enttäuschende Antwort kommt: „Danke, das war’s. Karte war falsch drin. Jetzt geht’s.“ Also auf zur nächsten Frage: „Fernseher findet Smart Card nicht. Hilfe?“. Drauf geklickt und spätestens jetzt wird mir klar, dass das Internet auch nicht des Rätsels Lösung ist. Denn auch hier gibt es eine zugegeben nicht unwichtige Gegenfrage: „Was für einen Fernseher hast Du denn und aus welchem Baujahr?“, worauf die Antwort eingeht: „Grundig, Baujahr 1986.“ Ja, gut. Wie gesagt - es gibt Leute, deren Probleme sind deutlich größer als meine. Lösungsstatus unbekannt.<br>Nun gut, nach inzwischen nun doch geschlagenen zwei Stunden und einer weiteren Tasse Kaffee beiße ich also doch in den sauren Apfel und gestehe mir ein: Ich komme nicht mehr umhin. Ich muss wohl oder übel die Service-Hotline anrufen. Teile meines Nervenkostüms lösen sich bei diesem Gedanken nun endgültig in Luft auf, zurück bleibt ein seidendünnes Geduldsfädelein, dass schon stabilere Tage als heute gesehen hat. Aber gut - wad mudd dad mudd. Hilft ja nichts. Also ein letztes Mal gegoogelt und die Nummer von ehemals Kabel Deutschland heute Vodafone rausgesucht. Anruf Hotline, die Erste.<br>Wieder Erwarten hebt sofort jemand ab, doch noch bevor ich mich darüber freuen kann, vernehme ich die schmerzhaft freundliche weibliche Stimme eines vorprogrammierten Blechdeppen am anderen Ende der Leitung, der mich mit einem freudigen „Herzlich Willkommen bei Vodafone“ begrüßt, bevor er - oder sie? - mich schließlich auffordert, meine Kundennummer parat zu halten und ihr doch bitte zu sagen, was mein Anliegen sei. Ich antworte also wahrheitsgemäß: „Ich möchte einen Mitarbeiter sprechen.“ Noch bin ich höflich. Noch.<br>Als die elektronische Dame am anderen Ende mir allerdings erzählt, dass sie mich leider nicht verstanden hat und mir fünf Möglichkeiten aufzählt, mit denen ich antworten könnte - bei denen mein Problem selbstredend nicht dabei ist - wandelt sich die aufgesetzte Höflichkeit meinerseits recht schlagartig in Ärger. Der zum Zerreißen gespannte, ohnehin erschreckend dünne Geduldsfaden mag Auslöser dafür sein. Möglicherweise. Jedenfalls antworte ich ihr mit Nachdruck: „Nix davon! Verbind mich mit am Mitarbeiter!“ Zugegeben, vielleicht war ich etwas laut, aber ich weiß ja schließlich nicht, wie es um’s Gehör eines Blechdeppen so bestellt ist. Sie hat ja schließlich schon gesagt, sie hätte mich nicht verstanden. Eine Spur lauter kann ja also nicht schaden. Allerdings war ich wohl nicht laut genug, denn sie beginnt prompt ihr einstudiertes Verslein von Neuem - mein Problem ist allerdings immer noch nicht Bestandteil meiner äußerst begrenzten Auswahlmöglichkeiten, und so werde ich also noch lauter: „Verbind mich mit am MEN-SCHEN, Herrschaftszeiten!“ Daraufhin unterbricht sie mich rüde und listet ihre begrenzte Auswahl ein drittes Mal auf. Aus reiner Verzweiflung schreie ich also das nächstliegendste der Angebote in den Hörer: „Störung und Bedienung“. Woraufhin sie mich nach meinem Geburtsdatum fragt. Das wirft mich jetzt so aus der Bahn, dass mir endgültig der Kragen platzt: „Ja Herrschaft, is denn des so schwer! An Mitarbeiter wü i, zefix!“&nbsp; Worauf ich neuerlich die Antwort erhalte: „Das habe ich leider nicht verstanden, bitte wiederholen Sie ihr Geburtsdatum in folgender Form. Zum Beispiel fünfter Februar Neunzehnhundertdreiundneunzig.“ Jetzt bin ich sauer! Nicht nur, dass mich diese Tussnelda aus Bits und Bytes für zu blöd hält, mein eigenes Geburtsdatum in der „richtigen Form“ zu kommunizieren, nein, sie gibt mir auch noch das Gefühl alt zu sein! 1993? Ernsthaft? Darf man da überhaupt schon alleine telefonieren? Geschweige denn Verträge abschließen! Ein leises „Ping“ irgendwo in meinem Unterbewusstsein lässt mich wissen, dass sich der Geduldsfaden nun endgültig verabschiedet hat und ich explodiere. Ich schreie mein Geburtsdatum in Affenlautstärke und makellosem Hochdeutsch - nur für den Fall - in den Hörer. Und werde kurz darauf mit einem leisen Tuten belohnt. Sanfte Melodien klingen seltsam verzerrt in meinem Ohr, die leider so rein gar nichts für die Beruhigung meiner Nerven tun. Doch das dauert auch nur ein paar Minuten. So etwa 15. Dann meldet sich eine - menschliche - Frauenstimme zu Wort und fragt, wie sie mir denn helfen könnte. Gott sei’s gedankt! Endlich. Ich schildere ihr also kurz und knapp mein Problem und erhalte kurzes Schweigen als Reaktion. Dann: „Da kann ich Ihnen jetzt leider auch nicht helfen, Sie sind hier bei der Störungsstelle. Ich gebe Ihnen eine Nummer, die sie bitte anrufen, da kann man Ihnen vielleicht helfen.“<br>An diesem Satz stören mich jetzt gleich so viele Dinge, dass ich gar nicht weiß, wo ich anfangen soll. Wie, Sie kann mir da nicht helfen? Ich dachte, das wäre ihr Job? Die Störungsstelle löst Probleme, oder? Mein Fernseher stört sich offenbar an meinem veralteten CI+ Modul - zumindest ist das mein Verdacht nach 2 Stunden Internetrecherche - und meiner Smart Remote fehlt offenbar die richtige Taste. Störung und Bedienung. Was denn bitte sonst? Und was meint sie damit, sie gibt mir eine Nummer. Die ich anrufen soll. Und wo ich dann wieder erstmal stundenlang mit dem Blechdepp rumstreiten kann, oder wie? Ist das ihr Ernst? „Ja, was die Ansage angeht bekommen wir häufiger Beschwerden“, entgegnet sie auf diesen doch nicht unwichtigen Einwand meinerseits lapidar und diktiert mir ungerührt eine 0800er Nummer. Na toll. Auf den Weg gibt sie mir noch mit, ich solle einfach immer mit „Vertrag“ antworten, dann würde ich schon da rauskommen, wo ich hin will. Dann wünscht sie mir noch einen schönen Tag und legt auf. Beinahe kann ich ihr hämisches Lachen durch das unschuldige Tuten der unterbrochenen Leitung hören.<br>Ich atme also dreimal tief durch, hole mir noch einen frischen - heißen - Kaffee und tippe die Nummer ins Telefon. Wie erwartet werde ich schon Sekunden später von der selben mechanischen Stimme begrüßt, wie beim ersten gescheiterten Versuch. Noch bevor sie ihren Sermon vom Stapel lassen kann, brülle ich laut „Vertrag“ und wiederhole das solange, bis ich ein gleichmäßiges Tuten gefolgt von quäkenden Jazzklängen vernehmen kann. Die Dame, die mich nach sage und schreibe NUR 10 Minuten begrüßt, fragt mich - nach Schilderung des Problems - doch tatsächlich, ob ich das Problem denn schon gegoogelt hätte. Jetzt muss ich laut lachen. Der war aber auch gut! Ja, natürlich! Ich finde nur nichts, lasse ich sie wissen, sobald ich wieder Luft bekomme. Nun etwas pikiert - wieso nur? - meint sie dann: „Na, dann schaun wir doch mal. Haben Sie die Karte denn richtig rum eingesteckt?“ Für wie blöd hält die Frau mich denn bitte? „Nein, nein, so war das nicht gemeint“, rudert sie zurück, als ich ihr diese Frage stelle. „Man kann sich da ja schon mal vergucken.“ Na gut, ich will mal nicht so sein, denk ich, und frage nach, wie rum denn richtig rum ihrer Meinung nach ist? Nur zur Sicherheit, und so. „Ja, das weiß ich jetzt auch nicht, ich bin ja kein Techniker“, bekomme ich da zu hören. Ich halte meinen imaginären Hut fest, bevor er mir hochgeht. „Ja, dann gehen wir jetzt mal davon aus, dass ich es weiß, und die richtig rum steckt. Daran liegt’s also nicht“, entgegne ich nach zwei tiefen Atemzügen. „Haben Sie denn das richtige Kartenmodell?“, will sie nun wissen. „Das weiß ich nicht, deshalb rufe ich ja an!“, antworte ich mit nicht gerade wenig Nachdruck. Langsam komme ich mir vor, also spräche ich mit einer Dreijährigen. „Hm“, kommt es nun vom anderen Ende. Dann: Schweigen. „Ich sehe hier, sie haben ein SMIT-Modul, vielleicht brauchen Sie da ein SMART-Modul.“ - „Aha“, antworte ich, „können Sie mir dann ein SMART-Modul schicken?“ - „Nein“, sagt sie, „das müssten Sie sich schon selber besorgen. Die kosten so um die 80€. Ob’s dann damit funktioniert, kann ich Ihnen aber auch nicht sagen.“ - „Aha“, meine ich wieder. Das ist ja jetzt eine großartige Hilfe: Geben Sie 80€ aus für ein Gerät, das sie womöglich gar nicht brauchen, weil das Problem wo anders liegt. Schön. Dafür hab ich jetzt fast eine Stunde telefoniert. Großartig.<br>Ich bedanke mich noch halb-höflich und lege auf. Einen schönen Tag wünsche ich ihr nicht. Rache der kleinen Frau und so.<br>Anschließend stecke ich noch ein paar mal die Karte aus und ein, was auch nichts hilft, bevor ich beschließe, vor der äußerst fragwürdigen Investition von 80€ nochmal einen Sendersuchlauf zu starten. Vielleicht liegt das Problem ja doch irgendwo anders. Schaden kann’s ja nicht, also lösche ich alle zuvor gefundenen Sender wieder und starte den Sendersuchlauf neu. Und diesmal fragt er mich doch tatsächlich, ob ich terrestrisch, via Satellit oder über Kabel suchen will. Das ist neu. Das hatten wir noch nicht. Ich wähle also Kabel aus, da das ja nunmal das ist, was ich habe. Ein Kabel. Steckt hinten im Fernseher. Und klicke auf „Suche starten“. Er findet 307 neue Sender, ganz oben auf der Liste steht in großen unmißverständlichen Lettern A-R-D! Tada! Ich schalte also auf Kanal Eins und siehe da: Da verkündet mir die freundliche Sprecherin der Tagesschau doch in aller sachlicher Nüchternheit, völlig ungerührt von meinem morgendlichen Drama: „Und das war die heutige Pressekonferenz der Kanzlerin zum aktuellen Stand der Corona-Auflagen in Bund und Ländern. Wir wünschen Ihnen noch einen schönen Tag, bleiben Sie gesund. Auf Wiedersehen.“<br>Ja, genau. Und Tschüss…</div>]]></description>
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         <pubDate>2021-02-10 19:28:27 UTC</pubDate>
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